Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. möchte man gern zu „heiteren Idealen" flüchten, die man in der eignen Vorzeit nicht zn finden glaubt. — Und aus der Geschichte lernen? Wer will dies? Wer thut dies? Die Ereignisse der letzten Jahre haben aufs neue bewiesen, wie wenig die Menschen und die Völker aus den Begebenheiten der Weltgeschichte Nutzen ziehen.— Sind es aber etwa höhere allgemeine Wahrheiten, fahren Sie fort, die man in den Schachten der jüdischen Wissenschaft aufsuchen soll? —' Ob Glauben, ob Wissen? Ob Stoff, ob Geist? OL Gott, ob Natur? Ob Diesseits, ob Jenseits? — Zur Beleuchtung dieser und ähnlicher Fragen, worüber denkende Geister sich Klarheit verschaffen möchten, greift ein Jeder nach seinem Schelling, Hegel, Humboldt, Ocrstädt oder anderen naturphilosophischen Schriften, worin die eben angedcuteten Probleme behandelt und mit einer größeren oder geringeren Dosis von Wahrscheinlichkeit zum Abschluß gebracht wurden. Sind jene Heroen der Intelligenz zwar auch nur „erschaffne Geister", denen „in das Innere der Natur zu dringen" versagt ist, so wähnt man Loch bei ihnen Aufschluß zu erhalten, über das große All und seinen Urheber, über Entstehen und Vergehen, über Leben und Zukunft u. s. w. „Wie sollte das Judenthum, von seinem geoffenbarten Standpunkte aus, darüber etwas sagen können", so sprechen Viele in ihrem Forscherdünkel! — DieS ist ohngefähr das Ergcbniß der Betrachtungen, die Sie über neuere jüdische Literatur angestcllt haben und wodurch Sie die Theilnahmlosigkcit eines großen Theils der gebildeteren Glaubensgenossen zu begründen suchen. Erlauben Sie mir nun, weither Freund, Ihnen hierauf zu sagen, daß — wenn Sie äußern, der Begriff einer neueren jüdischen Literatur sei den Meisten nicht deutlich, woraus all die Einwände hervorgingen, die Sie mittheilten — es vor Allem darauf ankömmt sich einen richtigen Begriff von derselben zu verschaffen, nicht nur durch genauere Kenntnißnahme ihres Inhalts, sondern auch durch näheres Eingehen in ihr Wesen und Erforschung der Elemente, aus denen sie sich entwickelt hat, wo sich dann zeigen wird, in welchem nothwendigen Zusammenhänge sie mit dem Judenthume und mit der Zeit überhaupt stehet, oder mit anderen Worten, daß einerseits ein Judenthum ohne eine in jedem Zeitalter sich neubelebeude und verjüngende Literatur nicht denkbar ist, und andererseits die jüdische Wissenschaft auch für die allgemeine Geistesthätigkeit der Gegenwart ein eben so nothwcndiges 4*