Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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>42 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. altgeschichtliche oder sagenhafte Mitthcilungeu zur Belehrung, Erhebung und Tröstung. Damit Zweifel und Irrlehren nicht Raum gewannen, waren Schriften erforderlich, worin dargethan ward, daß sowohl die wesentlichsten Glaubenslehren, sowie auch der innere Sinn mancher schwer verständlicher Tälmudstcllen mit den Hauptgrundsätzcn und Auffassungen der alten Philosophie im Einklang ständen. — Hatte also die alte Zeit in sich selbst, irr ihren Anschauungen und ihrem religiösen Leben das Bedürfnis der Schrifterzengnng; wie anders hat sich dies aber heute gestaltet? — Der altgläubige Jude mag keine Belehrung aus ncnverfaßten Schriften. Weil sein Judenthum für ihn ein abgeschlossenes ist, so wittert er in dem Hauche jeder neuen Schrift „Morgenluft" einer ephemeren TagcS-Aufklärung. Will er sich über Einzelnes in religiösen Dingen Raths erholen so, meint ec, fände sich in alten Büchern darüber genug. Verstände er auch nicht Alles darin, so gäbe es ja Kundige, die ihm den Inhalt erklären könnten. — Diejenigen aber, deren religiöser Horizont sich mehr oder minder erweitert hat und bei denen wohl gar die religiöse Praxis einer, weil bequemer» darum „zeitgemäß" genannten gewichen ist, suchen meist kn neueren jüdischen Schriften nur Bestätigung oder Beschönigung ihrer eignen Glaubensansichten. Aber nicht blos was diese Farbe nicht trägt, wird unbeachtet bei Sekte gelegt, sondern auch selbst Schriften, die ihrer Gesinnung huldigen, Abhandlungen über Reformen und Verbesserungen und dergleichen werden keiner Aufmerksamkeit mehr gewürdigt. So weit die Sachen jetzt gekommen sind, will man gar keine theoretische doctrinelle Begründung, um sich dieses oder', jenes Neligionsgesetzes zu entschlagcn; äußere materielle Gründe sind meist hierbei entscheidend. — Wenn ich Ihnen aber cinwendcn wollte, Laß, „geschichtliche Forschungen im Gebiete des Judenthums" auch jedenfalls das Interesse aller Parteien erwecken sollten, so entgegnen Sie hierauf, daß von diesem Literaturzwcige Viele schon darum sich abwenden, weil die jüdische Geschichte fast gar keine freundlichen Oasen bietet, um darin sich ergehen zu können. An die unsäglichen Leiden und Bedrückungen, die doch eigentlich den Hauptinhalt der Geschichte der Juden ausmachen, besonders in der Weise, wie man letztere seither dargcstellt hat, will man um so weniger gern jetzt erinnert sein, als die Leiden des jüdischen Stammes noch nicht aufgehört haben und neue Rechtsungleichheiten hier und da anftauchen. „Der rauhen Wirklichkeit züm Raube",