Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 12 (September 1852)
- Article
- Galerie angesehener für Glauben und Glaubensgenossen wirkender Juden
- Date
- 1852-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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448 Galerie angesehener für den Glauben n. vorragcnden Mannes: gehen wir nun — was für uns wichtiger — an fein inneres Leben: an sein Wirken für Glauben, Wissenschaft und Brüder. Durch Chasdai's Verwendung wurde das Abendland Sitz der jüdischen Wissenschaft, wunderte sie von Babylon nach Spanien, wo sie sich einen festen Wohnsitz errang und von da ihr Licht nach allen Seiten verbreitete. Bis zum zehnten Jahrhundert waren die Schulhäuptcr (Geonim) Babylons die Vertreter und Erklärer der Lehre, und nach ihrem Urtheile und Ansspruche richteten sich die entlegensten Gemeinden. Da segelten einst mehrere Gelehrte von Bari in Unteritalien ab, um nach Sebast in Kleinasicn zu gehen. Das Schiff wurde von einem maurischen Kapitän genommen und die Gelehrten nach verschiednen Seiten verkauft. Einer dieser Gekehrten, R. Moses, kam mit einem Sohne R. Chanoch nach Eordua, die Gemeinde daselbst hatte sie aus den Händen des Kapitäns losgekauft, ohne jedoch ihren eigentlichen Werth zu kennen. Vater und Sohn begaben sich ins Lehrhaus, wo ein zwar sehr frommer aber weniger wissenschaftlicher Lehrer, im Kreise der Schüler einen Vortrag über mehrere talmudische Stellen hielt. Als er eine schwierige Stelle nicht zu erklären wußte, näherte sich ihm R. Moses und theilte ihm den eigentlichen Sinn mit. Sie gingen nun auf mehrere Punkte über, und endlich erklärte der bisherige Lehrer (sein Name war R. Nathan): ״Von nun an höre ich auf Lehrer zu sein: dieser Mann soll meine Stelle annehmcn: ich bekenne mich gern als seinen Schüler". (Seltene Bescheidenheit, in der er wenig Nachahmer finden dürfte!) R. Moses wurde also zum Richter (obersten Lehrer) erklärt: und bald sammelte sich von allen Seiten die wißbegierige Jugend um ihn. Die Bescheide wurden nun nicht mehr aus Babylon erholt, man fand Belehrung in der Nähe: und es erstehen bald hierauf Lehrer in den größeren Gemeinden. Nach R. Moses Tode folgte ihm dessen Sohn N. Chanoch: ein berühmter Gelehrter. R. Joseph ben Jsack ben Stanas ben Arbitur, der auf Verlangen des Kalifen Alhakiin den Talmud ins Arabische übertragen hatte, wollte jedoch die Autorität des R. Chanoch nicht anerkennen und die Gemeinde zu Cordua zerfiel in zwei Parteien. Doch wurde, fügt der Geschichtschreiber, dem wir diesen ganzen Bericht verdanken, hinzu, so lange der große Fürst (Herr) R. ChaSdai lebte, der Streit niedergehalten: ״in seinen Tagen konnte sich Niemand dem R. Chanoch widersetzen" r). Chasdai stand also auf 7) Vgl. N. Abraham ben Davit, in dessen Sefer Haccabala S. 48, 40, der Prager Ausgabe. Vgl. auch Lebrccht in Frankels Zeitschr. für die