Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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;420 lieber kn Lapidarstyl der tatmudischc» Historik/ historische Gewißheit, aber sie belfen manches Dunkel anfhellcn. Ruhen doch selbst sogenannte historische Data zuweilen nur auf Combinatiouen: und hier zeigt sich der Vortheil, daß auf diesem Wege allmälig der Geist der jüd. Geschichte erkannt werden wird. Denn nicht wenig bieten anch Halachas und Hagadas Stoff zur Auffassung geschichtlicher Begebenheiten und des sich in ihnen kundthuenden jüd. Lebens. Die einheimischen Quellen sollen benutzt werden, muß auch erst »ach ihnen tief gegraben werden; und fließen sie auch dann noch sparsam, so sind sie dennoch häufig untrüglicher und ergiebiger als die fremden meist getrübten Gewässer. — Wenden wir uns zum Schluffe zu einem hagadisch-exegetischcu Spruche, der eine tiefe historische Notiz enthält. Dreimal heißt es (Hohelied 2, 7 ff.) ״Ich beschwöre euch", und dieses beziehe sich, erklärte R. Jose den Chanina: ״Israel sei beschworen, daß cs nicht gcwaltsam hinanfziche (Palästina gewaltsam wieder erobern wolle); ferner sei Israel beschworen, daß eS sich nicht gegen die Volker (unter denen es lebt) gewaltsam erhebe; endlich seien die Volker beschworeu, daß sie nicht Israel zu sehr unterdrücken" (Ketubot 111). Dieser Erklärung, der auch R. Sera bcigcstimmt haben soll (das.) stehet zu auffallend, zu abgerissen da, als daß nicht ans irgend eine Vcranlassung die sie hervorgernfen, zn schließen wäre. Aber wir finden diese Veranlassung, so wir die Zeit befragen in der diese Autoren lebten und erlangen zugleich Licht über eine geschichtliche Begebeuheit. Der Zustand Palästina's war von Severns an bis zum Tode DiocletianS (193 — 313) mit mancher kurzen Unterbrechung ziemlich erträglich: die Juden erfuhren keine Bedrückungen, und eS waren sogar mehrere Edicte zu ihren Gunsten erlassen. Constantin nahm das Chriflcnthmn an: und der Einfluß der neuen dem Indenthumc feindlichen Staatsreligion sing an unter ihm sich geltend zu machen. Unter seinem Sohne Constantius regierte schon vom Throne herab ein fanatischer gegen die Juden gerichteter Haß, den der August und der Cäsar zugleich theilten. Constantius hatte wi-- der seinen Willen seinen Neffen Gallus zum Cäsar und Gebieter der römischen östlichen Provinzen ernennen müssen. Gallus nur in den Künsten der Wollust und der grausamsten Bedrückungen erfahren, war, der Gegensatz zu seinem Bruder Julia», ein eifriger Christ si; und die Juden fühlten doppelt die Schwere seines ans den von ihm regierten Provinzen lastenden Druckes. Die Juden fügten sich 7) Heber Gallus vergl, Gibbon Hislory of 1116 fall of 1116 Romain empire c, 49 und die dort angeführten Autoren.