Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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419 Mb er den Lapidarstyl der talmubischen Historik. nur fremde Herrscher; aber selbst den Namen Herrscher konnten sie nicht beanspruchen, sie waren im Grunde nur römische Statt- Halter: und hierin standen sie abermals weit hinter den HaSmonäern zurück, die bis zu dem Einzug des Pompejus selbstständig regierten. Von Hillel und Schamai ab, die zur Zeit des Herodes dem Synhedrium präsidirten, verliert auch das Synhcdrium jede politische Bedeutung: es ist nun nur eine gelehrte Körperschaft"). Daher wird auch in den Sprüchen Hillel und Schamai's eine historische Beziehung kaum zu suchen sein. Diese Sprüche sind tiefen moralischen Inhalts, gehen aber hierüber nicht hinaus. Merkmalen der Wirksamkeit dieser Männer begegnet man anderswo und ans anderem Gebiete: in vielen von ihnen erhaltenen practischen Lehren (Halacha's) und in den von ihnen gestifteten Schulen. , Doch dürfte noch die Aufmerksamkeit zu richten sein auf den Spruch Hillel's: ״Sei von den Schülern (der Schule) Aaron's: liebe den Frieden und strebe dem Frieden nach" (Abot 1,12). Dieser Spruch hat zu Erklärungen, die einen trefflichen Tugcndkranz mn Aaron, den Bruder Moses winden, Veranlassung gegeben (vgl. Abot des R. Nathan c. 12), aber eS fehlt ihnen die historische Grundlage. Forschet, man jedoch, welche Stellung die Priester in den so häufigen Partcikämpfen einnahmcn, so zeigen sie sich als die Friedenspartei, die dem jedesmakigcn Könige Gehorsam leistete. Sehr bemerkenswerth ist hier auch der Spruch des 5R. Chanina, Vorstehers (סגן) der Priesterschast: ״Bete für das Wohl der Regierung; denn wenn nicht die Furcht vor ihr wäre, so würde Einer den Andern lebendig verderben" (Abot 3, 2). Dieser R. Chanina lebte etwas vor (und während) der Zerstörung des Tem-- pels: die damals herrschenden lehten Herodiancr waren durch ihre Schwäche und feile Gleichgültigkeit verachtet, die im Lande Hansenden römischen Proconsulcn durch ihre Unmenschlichkeit verhaßt. Und selbst in solchem Zustande mahnt noch dieser Lehrer, der Vorsteher der Priester, zur Anhänglichkeit an die Regierung: Anarchie, sagt er, ist das schrecklichste Hebet! Diesem, lange von den Priestern vertretenen Principe huldigte seiner sanften geduldige:: Gemüthsart nach auch Hillel, und darum seine Anempfehlung, sei von den Schülern Aarons u. s. w. Wir haben nun auf diesem Gebiete manche Anzeichen und Handhaben für die jüdische Geschichte gefunden. Sie bieten zwar nicht 6) Nach dem Hintritte Hillel und Schamai's wird auch die Präsidentschast modiflcirt, und es stehet von nun an nur ein Mann an der Spitze des Synhedriums. vgl. 9. Heft. S. 340. Fraukcl, Monatsschrift!. ZZ