Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Ueber kn Lapidarstyl der talinudischen Historik. 417 Liebe. Diese Thätigkeit war ans das Practische, auf die Ausübung gerichtet: sie beschäftigte sich mit dem Gesetze nach seiner formellen Seite. Es leiten aber auch Spuren darauf, daß bei manchen Bevorzugton die Forschung sich auch nach der metaphysischen Seite richtete^). Aber Untersuchungen dieser Art eigneten sich nicht für den allgemeinen Vortrag; wie leicht konnte der für metaphysische Speculationen weniger Empfängliche irre werden und auf diesem Wege verloren gehen'. Am meisten scheinen die Essäer der metaphysischen Speculation obgelegen zu haben: sie wurzelten im Ge-- setze und der auf das Practische zielenden ForschungSweise^), zogen aber auch metaphysische und selbst theosophische Grübeleien in den Kreis ihrer geistigen Beschäftigung. Doch während die Essäer Palästina'S nicht in Opposition gegen Gesetz und dessen Ausführung traten^ hatte sich ein anderer Zweig des Essäismus in Egypten gebildet, der, wie es den Einsichtigen nicht entgehen konnte, eine all- Malige Unterwühlung und Umsturz des Gesetzes herbeisührte. Dieses waren die am Mari tischen See unweit Alexandrien lebenden Therapeuten, von denen Philo berichtet 5). Diese Therapeuten, zusammengefloffen aus metaphysirenden egyptischen Juden und platonisirenden Griechen, nahmen zwar die mosaische Lehre zur Unterlage ihrer Speculationen; aber die Lehre war ihnen sowohl ihrem historischen als gesetzlichen Theile nach Allegorie, eine Hülle, hinter der sich transceudente, nur dem Eingeweiheten erfaßbare Wahrheiten verbergen. Hier wurde aus den verschiedenartigsten Philosopheinen des Morgen- und Abendlands ein Religiousgebäude gebildet, das nur dem Namen nach die Benennung Monotheismus trug: und nur die ausschweifendste Phantasie, nur die glühende in rasendem Fluge hinaus über alle Regionen des Verstandes sich stürzende Schwärmerei vermochte in dieser Exstase, in dieser Selbstversenkung in dem Menschen unzugängliche Gebiete Erhebung und Gottesan- Näherung erblicken: in diesem finstern Mysticismns ging die eigentliche LebenSthätigkeit und das Gesetz verloren, von hier aus wurden für eine lange Reihe von Jahrhunderten der Menschheit Glaubensfesseln geschmiedet, die das Judenthum nach seinem Lichtglauben von sich weisen mußte — Wenn also die palästinischen Lehrer nicht dem Essäismus entgegentraten, so mußten sie sich nur mit dem tief- 3) Unter der Benennung מעשה מרכבה und .סדרי הוורד begriffen. 4׳) Vgl. Frankel Zeitschr. für die rel. Inter, des JuLenth. 3. Jahrgang. S. 455 ff. 5) Dgl. dessen de Vita contemplaüva. Die Lehre der Therapeuten spiegelt sich häufig in seinen Schristen ab.