Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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'404 Ueber den Lapidarstyl der talmudischen Historik. vom jüdischen Staate sch und daß daher auch die Geschichte dieser beiden Staaten in verschiedenem Geiste erfaßt werden müsse. Rom war seit seinem Entstehen erobernd und diesen Plan verfolgte es stets, sein LebenSprincip lag in dem Gegensätze ihm widerstehender Völker: als dieser Gegendruck aufhörte, und cs ihn höchstens nur an den äußersten entfernten Grenzen fühlte, mußte es in sich zusammensinken. Der jüdische Staat auf sein Inneres, auf die hohe Aufgabe das Göttliche zu wahren angewiesen, konnte nie in Eroberungen seinen Schwerpunkt finden: den Versuchen Davids, die Waffen weit zu tragen, folgte eine verheerende Pest (2. Sam. 24), und nie wird auf ihn als den kriegerischen, erobernden, sondern als auf den frommen gottbegeisterten König zurückgesehcn. Die Geschichte des jüdischen Staates ist in dessen innerer Entwickelung und dem Widerstande den er gegen außen leistete, zu finden; und wie tief hat sich Joscphus auch an der Wahrheit versündigt, als er seine Geschichte für die Römer schrieb und den Bestrebungen seines Volkes häufig gerechte Anerkennung versagte! Es ist zwar Kr ihn manche Entschuldigung aufzufinden'), und er hat in seiner Apologie gegen Apion eine theilweise Sühne abgetragen; aber sein Geschichtswerk gewinnt hierdurch nicht, und kann den Namen einer Geschichte der Juden nur einseitig beanspruchen. Was von den entstellenden 'Berichten der Kirchenväter und späterer nie ganz von Religivnshaß befreieten Schriftsteller zu Hallen sei, wurde schon früher bemerkt; und wenn in neuerer Zeit ein kritischeres Verfahren (öbschon üoch immer nicht den Anforderungen einer genauen Sichtigmig ganz entsprechend) hervorzutretm scheint, so harret der in den tiefsten Schachten jüd. Lebens waltende Geist noch immer vergebeus aus seine Erlösung. Der Versuch, ihn nach modernem Zuschnitt und modernen Ansichten zu messen, führt nur zu unwürdiger Verkennung und Entstellung: der Geist der jüdischen Geschichte muß aus?sich selbst erforscht und erkannt werden; die eigentliche Duelle bilden, wie oben (S. 266) bemerkt wurde, die talmudischen Schriften. Wir haben in einem frühern Artikel versucht, aus ihnen manche Data abzuleiten, und wollen hier in diesem Versuche fortsahren. Die ׳Sprüche d er V äter enthalten Geschichtsmonumente oder geben über diese Aufschluß: sie haben oft neben ihrer allgemein religiösen/vder moralischen Seite eine tiefe historische Beziehung. Auf solche Beziehung haben (vgl. oben S. 268—214) die Sprüche der großen Synagoge bis auf Antigonus aus Socho geleitet: mit dem 1) Vgl. oben S. 136 Anmerkung.