Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1852)
- Article
- [Rezension] / M.
- Date
- 1852-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829144--00484-2851991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Neeensioncn und Anzeigen. 387 örtliche Verhältnisse inssuirte Parteien entstanden, die die einzige Macht der Judenheit im Exile, die Einheit nämlich, nur zu sehr gefährdet haben. Im Osten, wo Herz und Gemnth mehr vorherrschend, das gründliche Denken nicht allgemein, und die Judenheit durch fremde und eigene Veranlassung mehr von der Außenwelt gesondert ist, verfiel man in Schwärmerei und warf sich in die Arme der Ascetik, Andacht, des Theosophismus und Mystieismus, während im Westen, wo mehr der Kopf berücksichtiget, tiefes Forschen zu Hause ist, und der Jude durch Kleidung und Sprache den anderen Einwohnern näher stehet, man dem Baume der Erkenntniß (?) mit mehr oder minder Reife zueilte, die Resultate der französischen Encyklopädisten einsaugte und alles Charakteristische und Wesentliche im Judenthume beseitigend oder antiquirend sich ein Judenthum schuf, welches von dem wahren entweder sehr verschieden oder gar dessen Antipode ist. Doch ein Verdienst kann man eben dieser neueren Zeit nicht absprechen; sie hat bedeutungsvolle Materialien zur Erkenntuiß des Judenthumes zu Tage gefördert, vorzüglich aber den wahren Ausgangs- Punkt und die Grundideen zu demselben ersaßt. Diese Grundideen bestehen in der Anerkennung, daß das Judenthum keinesweges mit einem Male abgeschlossen und vollendet, gleichsam als aus dem Kopfe der Minerva, fix und fertig hervorgegangen sei, sondern mittelst dem ihm inwohnenden göttlichen Geiste sich entwickelt und den geschichtlichen Proceß durchmacht, dessen Thätigkeitsmesser der politische, sociale und intellectuelle Stand der Juden abgibt. Wichtige Ereignisse, speciell jüdische oder welthistorische bedeutende Männer, influirten — fördernd oder störend — auf dessen Entfaltung, bestimmten die Richtung desselben und riefen diese oder jene Statuirnng in's Leben, weshalb zur richtigen objectiven Auffassung des Judenthumes gründliche, kritisch-pbilosophische, vorurtheilssreie Forschungen im Gebiete der jüdischen, resp. der bezughabenden allgemeinen Geschichte, der primitiven Urkunden, Sagen und Gebräuche, deren Entstehungszeit und richtige Exegese/ wie die der Epoche machenden spätem Literatur und anerkannten Autoritäten unentbehrlich nothwendig sind. Es haben daher auch die Literaten der Neuzeit in allen diesen Fächern sich mit mehr oder minder Glück versucht, und Lheils in besonderen Werken, Lheils in periodischen Schriften sehr werthvolle und ersprießliche Leistungen geliefert, die den Weg zu einer systematischen Wissenschaft des Judenthumes bahnen. Fast alle diese Arbeiten aber verhielten sich nur propädeutisch, bieten nur die Mittel, um zu einer Totalanschauung des Judenthumes