Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-07-01 · Heft 10 (Juli 1852) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 10 (Juli 1852)
Article
Das Judenthum der Zukunft
Date
1852-07-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829144-2851952--00465-2851977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das JuLenthum der Zukunft. 373 drungensein von dieser Wahrheit, ein Aufgehcu derselbe» in Geist und Gemüth, so daß sie gleichsam mit dem Menschen selbst derwachse und aller Pflichterfüllung vorhergehe (vgl. Chasdai Kreskas, Or Adonai Einlcit.).') Wo in Bezug auf ewige Wahrheiten vom Glauben (Emunah) die Rede ist, verstehet man eben darunter, daß Herz und Gemüth diese Wahrheiten ganz ausnehmen und davon erfüllt seien. (אמונת הלב, vgl. Bachja, Chobat halebabot, Schaar hajichud.). — Kehren wir nun einen Augenblick wieder zu Jenen zurück, die, nachdem sie den langen schwülen Weg der Vernunstspeculation zurückgelegt, nunmehr auch ohne Gott und ohne Glauben, auf den Baalshöhen des Menschheit-Cultus sicher angelangt zu sein wähnen. Abgesehen von der Leere und Trostlosigkeit deS Gcmüths bei solchen Vorstellungen, so daß man wohl annehmen möchte, die Besseren, die mit diesem Unglauben gleichsam renommiren und z. B. blos von ״einem Wehen des Allgeistes" sprechen, schauete man in ihr Inneres, glauben selbst noch wider ihren Willen an einen Gott; abgesehen von der sittlichen Haltlosigkeit, welche für die große Mehrheit daraus erwächst, die die steile Höhe philosophischer Subtilitäten nicht zu erklimmen im Stande ist und die Seelenstärke und Charakterfestigkeit nicht besitzt, unter allen Lagen und Verhältnissen so zu leben wie es sein soll, abgesehen hiervon haben jene Phrasen von Negirung eines sogenannten persönlichen Gottes u. dgl., wodurch sie das Judenthum als beseitigt ansehen wollen, gerade in Beziehung auf die jüdische Religion gar keinen Sinn. — Alle diese skeptischen Elemente, die bis zum Pantheismus oder wohl gar Atheismus sich steigerten, waren aus dem Gegensätze zu der Anschauung geflossen, die den unbedingten Glauben als Grund- I) Vielleicht dürfte dies auch der Sinn des Hillel'schen Satzes fein: אש אין אני לי מי לי. Hillel wie überhaupt einige Mischnalehrer (soN.Aehuda) verstanden unter אני Las allgemeine Ich, das Absolute, Gott;(אם אני כאן הכל כאן) Hillel wollte also hier sagen, ״wenn Gott nicht ganz der Meinige ist, ich nicht ganz durchdrungen von ihm bin, wer ist dann mir? (d. h. ich bin dann in dem trostlosen Zustande, ohne Gott zu sein), וכשאני לעצמי מה אני ,,beziehe ich diesen Gott aber blos auf mich selbst, (d. h. wollte ich das ewige Wesen aus seiner Universalität zu einem Spezialgott herabziehen) was wäre das für ein Gott? — ״ ואם לא עכשיו אימתיWenn nicht jetzt (d. h. wenn das Dasein Gottes nicht Anfang und Voraussetzung alles ForschenS ist) wann später?) habe ich einmal die Bahn philosophischer Forschung betreten, so komme ich ohne jene unmittelbare Voraussetzung schwer zu dem Resultate). — Schon Samuel Nsida beziehet das מי im obigen Satze aus Gott (nach dem Sohar).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.