Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-07-01 · Heft 10 (Juli 1852) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 10 (Juli 1852)
Article
Das Judenthum der Zukunft
Date
1852-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829144-2851952--00464-2851976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

372 Das Judeilthum der Zukunft. znm Himmel richten, wir könnten uns nicht zu etwas Außerwcltlichem erheben wollen, hätte jener Urgeist den Trieb dazu nicht in uns gelegt und von, seinem Geiste einen Tropfen uns mitgetheilt. Wir möchten dies den psychologischen Beweis vom Dasein Gottes nennen, wenn hier von einem Beweise auch nur die-Rede fein könnte. — Aber eben so wenig gelangen wir durch den bloßen Glauben zu Gott, sondern weil wir ihn glauben; weil er jene Empfänglichkeit des Gemüths für das Uebersinnliche in uns gelegt hat, weil wir jene beseligende Wirkung der Ueberzeugung von seinem Dasein so sehr empfinden, darum ist und waltet er in seiner Allweisheit und Allgüte. — In solcher Weise nun werden Wissen und Glauben sich freundlich begegnen, harmonisch sich die Hände reichen und beide vereint sind sie sodann die stärksten Pfeiler der sittlichen Weltordnung. — Wo ist aber ein kräftiges Bindemittel, das diese sonst feindlichen Brüder zu versöhnen und in wahrhafter Einkracht zu erhalten im Stande ist? Oder, ohne Bild zu sprechen, wo finden wir die positive Unterlage, die beide, Glauben und Wissen, in einer Formel gemeinsam ausgesprochen, stützt und erhält? — Es ist dies das Judenthum! — Das Judenthum, von seinen Uranfängen in der patriarchalischen Zeit bis zu seiner äußersten Entwickelung, hatte stets die Voraussetzung vom Dasein Gottes als Embryo unserer Erkenntniß, die Gemeinschaftlichkeit des Wissens und Glaubens als Hauptgrundsatz seiner Lehren aufgestellt; seine Aufgabe ist somit auch fernerhin, diese beiden sich sonst entgegenstchenden, aber der Menschheit doch so wohlthätigen Genien mit der Friedenspalme zu vereinen. Von Abraham erzählt die Sage, daß er schon im zarten Alter den Schöpfer erkannte (הכיר בוראו). — Die mosaische» Bücher lehren ״erkenne heute und nehme wohl zu Herzen, daß der Ewige Gott sei im Himmel und auf Erden (5. Mos. 4, 39.)." Die Mischnalehrer (Abot IV., 29) sagen ״die Lebendigen sind da zu erkennen und bekannt zu machen, daß Gott der Schöpfer und Richter der Welt sei rc." Die Gemara (Berachot 33) äußert: Groß ist die Erkenntniß, sie befindet sich zwischen den beiden Namen der Gottheit, d. h. durch Erkenntniß ist man erst recht im Stande, die verschiedenen Eigenschaften (Namen) Gottes zu erfassen. — Maimonides beginnt seinen Ritualcodex mit den Worten ״der Grund aller Grundlagen und die Säule aller Weisheit ist zu erkennen, daß es einen Urheber alles Seins gibt." — Unter dieser Erkenntniß wird aber nicht eine bloße sterile Verstandesforschung verstanden, sondern ein völliges Durch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.