Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1852)
- Article
- Das Judenthum der Zukunft
- Date
- 1852-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Judenthum der Zuknust. 369 Religion nach, i» der Absicht, um durch Zweifel zur Wahrheit, durch Nachdenken zu desto inuigercr Ueberzeugung zu gelangen, wie etwa in den Zeiten des großen Maimonides,, Levi ben Gerson'S und selbst Mendelssohn's? -- O nein, dies wäre wahrlich kein schlimmes Zeichen, es wäre dies vielmehr eine Stärkung des Jndenthums, welches nicht den blinden Glauben an die Spitze seiner Dogmen stellt, wie wir weiter sehen werden. — Aber nicht das Forschen, sondern das Nichtsorscheu, die Indifferenz über die höchsten und wichtigsten Angelegenheiten der Religion, die bei Vielen sogar in Apathie ausartet, diese haben wir zu beklagen und müssen darum nach dieser Seite hin unser Augenmerk richten. Leihen wir Einzelnen, besonders den Intelligenteren aus dieser Gruppe Worte, so verbreiten sie sich über ihre Anschauungsweise etwa in folgender Art: ״Nicht nur der größte Theil der Ritual- und Eercmonialvorschriften ist unter den jetzigen Verhältnissen unbequem oder unausführbar, sondern auch Reformen und gingen sie noch so weit nützen nichts, sind höchstens ein Palliativmittcl; das ganze Religionsgebäude hat für uns keinen haltbaren Grund. Das Jndenthum hatte allerdings Bedeutung, so lange die Menschen noch an einen sogenannten außerweltlichen oder persönlichen Gott glaubten. Jetzt ist dieser Wahn überwunden; die Aufgabe des Judenthums sowie aller zeitherigen Religionen ist daher erfüllt. In dem Menschen ist der wahre Gott zu finden; Cultus der Menschheit, Humanität, daher der einzige Cultus der Zukunft n. s. w." Aehnliche Erscheinungen sind auch in anderen religiösen Kreisen wahrzunehmen; auch da ist der sogenannte Rationalismus des vvrigen Jahrhunderts, der wenn auch nicht in seiner Totalität, so doch in manchen Beziehungen mit dem Reformismus im Judenthume analog war, mehr in den Hintergrund getreten; während zwei entgegengesetzte Anschauungen, die streng-dogmatische und die nicht nur den positiven Glauben ganz negirende, sondern offen ״pantheistisch" sich nennende Richtung das Feld einander streitig machen. Es würde die Grenze dieses Aussatzes weit überschreiten und könnte hier überhaupt nicht der Ort sein, auf Grund und Ursache dieser Erscheinungen, warum sie im EntwiFelungsproceffe des menschlichen Geistes grade jetzt zum Durchbruche kommen mußten und inwieweit sie nach welthistorischen Gesetzen bestimmt sind, einer hö- Heren Phase für die Zukunft Platz zu machen, näher einzugchen; wir haben eS nur mit jenen von uns oben angeführten und ahnlichen Acnßerungen zu thun, wie sie in neuester Zeit auch im Ju-