Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1852)
- Article
- Das Judenthum der Zukunft
- Date
- 1852-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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366 Das Judenthmn der Zukunft. gingen wohl weiter und rüttelten selbst an wesentlicheren Dingen, aber selbst den Kühnsten dieser Neuerer war, mindestens ihrem Vorgeben nach, die Erhaltung des jüdischen Glaubens Ziel- Punkt ihres Strcbens. Entsprach auch der Erfolg nicht immer dieser ihrer Behauptung und standen sie zum Theil auf einem abschüssigem Wege, der sie oder ihre Nachfolger in den Abgrund des Unglaubcns oder der Apostasie unversehens hinabgleiteu zu lassen drohete, so zeigt doch schon das Vorgeben, nicht aus dem Glauben heraus zu wollen, daß sie in dem positiven jüdischen Glauben mindestens noch ein lebensfähiges Moment anerkannten. Zn der That blicken wir heute auf jene Kämpfe zurück, wie sie noch bis vor wenig Jahren innerhalb des Judenthuins sich gestaltet hatten, so findet sich in diesen religiösen Parteiungen, — die nach Analogie der politischen Nnancirnngen in mehrere von der äußersten Rechten, durch beide Lentren bis zur äußersten Linken hinnberlausende Schattirungen sich abgrcuztcii, — doch »och ein gewisses religiöscs Leben, eine rege Theiluahme an der Religion, an deren Erhaltung oder Fortentwickelung, welches an sich schon beachtcnswerth ist. Denn wie in der Natur so im Menschenleben entstehet Kampf aus der Reibung verschiedener Kräfte miteinander; cs mußwn also lebensvolle Kräfte vorhanden sein, die den Kampf erzeugten und nährten, und dies allein konnte schon als Wahrzeichen gelten, daß die väterliche Religion noch einen festen Boden im Gemüthe hatte, ״ans Mund und Herz" nicht gewichen war. — Wie sicht es nun aber jetzt ans? In welches Stadium sind wir nun gerückt? Das wogende Merr der politischen Ereignisse, zuerst.alle Dämme überflutend, um sodann wieder hinter seine früheren Gränzen west zurückzuweichen, hatte allerdings wie bei allen Religionspartcien so auch bei unsren Glaubensgenossen Streben und Theilnahmc mehr aus andre Gebiete hingeleukt, um blos mit religiösen Fragen sich zu beschäftigen. — Es galt mit den Sieg einer Idee überhaupt. ״Stürzt die alte Welt und ein neues politisches Gebäude erhebt sich an deren Stelle, so werden der Religion auch bald neue Altäre errichtet", dachten die Einen; ״wird die alte Ordnung wieder befestigt, so erringt sich die Religion der Väter auch wieder ihre alte Verehrung", meinten, die Anderen. Hierzu kam noch ein Moment, das nicht außer Acht bleiben darf. Die fast gleichzeitig eintretcndc bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden im größten Tbeile des deutschen Vaterlandes, für welche edle Geister im Bewußtsein ihres Rechts so lange gekämpft und gerungen hatten,