Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1852)
- Article
- Briefe aus Paris
- Date
- 1852-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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340 Briefe aus Paris. französischen Juden und zwar segenbringend eingetreten; zwischen 60 bis 80 Kinder erscheinen jedesmal, arm wie reich ordentlich gekleidet, an heiliger Stätte, und erkennen ihren Eintritt in die Synagoge nach einer sorgfältig abgelegten Prüfung an. Beide Geschlechter in den Familien der verschiedenen Verhältnisse gelangen hierdurch zu einer genauen Kenntniß und Liebe ihres Glau-' bens. Eine׳ alte Sitte wurde geregelt und geordnet, und mit Berücksichtigung der Zeit einem Bedürfnisse Befriedigung׳ geschafft, die Noth that. Solche Reformen thun wohl und fassen mit der Zeit in den Gemeinden wie im Volke festen Fuß. VIII. Bethaus und Unterrichtsanstalten sind im Judenthume so unzertrennlich, daß derselbe Name besonders bei den deutschen Juden zur Bezeichnung beider dient. Die Schule ist der Versammlungsort der Jugend so wie des reifem Alters; Mann und Weib verfügen sich dahin, um zu lernen und zu beten. Der Zustand vorgeschrittener Bildüng, die mit Recht bestehende Liebe zur Ordnung verlangt eine Trennung des Loeals, ohne selbe jedoch weiter auszudehnen, als dies nöthig ist. Wie in allen andern Bestrebungen ähnlicher Art, so steht auch in der jüdischen Schule Frankreich und besonders der Pariser Gemeinderath durch Edelsinn und wahre Auffassung des Rechts allen andern Ländern und Städten voran. Seit ungefähr dreißig Jahren besteht in Paris eine Lehrschule für Knaben, eine getrennte für Mädchen, die ihrer Zeit von einer Gesellschast edeldenkender Seelen gegründet und erhalten wurde. Seit dem Jahre 1830 übernahm die Verwaltung der Stadt jene Anstalten, die seit dieser Epoche ohne Unterlaß aus Kosten des Gemeindebudgets, vollständig im Range den anderen Stadtschulen gleichgestellt, bestritten werden. Vor etwa fünf Jahren wurde ein eigenes prachtvolles Gebäude im Mittelpunkte der armen jüdischen Bevölkerung errichtet, das Knabenso wie Mädchenschule, Kinderbewahranstalt, so wie Wohnungen für die Lehrer und Lehrerinnen dieser Institutionen in sich enthält, und der Stadt bei 250,000 Franken gekostet hat. Die Freigebigkeit des Gemeinderathes, die richtige Anerkennung des Gesetzes gehen so weit, daß die Stadt eigene jüdische Alphabet-Tafeln zum Gebrauche der Kinder anfertigen ließ; denn Alles versieht die Stadt; Lehrer und Schule, Belohnung der Kinder und Aufseher, Anschaffung der Bücher und Schreibmaterialien. Dabei überläßt die öffentliche Verwaltung diese Anstalten vollständig dm Anordnungen der jüdischen Aus-