Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1852)
- Article
- Briefe aus Paris
- Date
- 1852-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Einsegnung der Hochzeiten, deren Anzahl gewöhnlich im Jahre auf L50 steigt, ün Bethause, begleitet von Gejang und französischer Rede. Wenn uns hier eine Rüge gestattet ist, so mißbilligen wir die schon lange hier bestehende Sitte, bei solcher Feierlichkeit das weibliche Geschlecht, wenn auch aus einer getrennten Seite, im Schiffe der Synagoge zu vereinigen, so wie Reich uyd Arm durch verschiedene Gaffen nach verschiedenen Preisen wehr oder minder prachtvoll einzusegnen. Ein jeder Glaube hat nicht nur seine Dogmen und Gebote, sondern auch seine Sitten und Gebräuche; beinahe immer verdanken letztere ihre Entstehung der Geschichte, das heißt der Entwickelung des religiösen Gedankens und Gefühles im Raume sowohl als in der Zeit. Eine höhere Keuschheit hat im Allgemeinen Tradition und Leben dem jüdischen Stamme eingeprägt; so lachenswerth bei verfeinerter Sitte jene Tugend manchmal erscheinen möge, sie ist und bleibt Grund des Bestehens in Volk und Leben. Unter den im Abendlande übliche!: Glaubenssormen vermengt der Kqtholizismus beide Geschlechter in Kirchen; in Tempeln trennt der Protestantismus jene im selben Raume; der Jude wünscht, daß an heiliger Stätte ein jedes Geschlecht, würdig und einfach, zum Herrn der Herzen und Geister flehe, und durch keine andere Betrachtung von jenem erhabenen Streben abgelenkt werde. Möge Galanterie und zuvorkommende Höflichkeit, die Würze feiner Bildung, in Salons und im Leben ihren Platz finden, im Gotteshause bete jede sterbliche Creatur für ihre Sünden und wende ihren Sinn von jeder hinfälligen Größe und Schönheit zum Ideale unvergleichlicher Erhabenheit und Vollkommenheit*). Und erwägen wir den andern Punkt. Die Bedürfnisse des Kultus benöthigen zwar sehr bedeutende Geldmittel; wäre es aber nicht möglich, diese aus andere Weise als durch mehr oder minder prachtvoll durch Gesang und Beleuchtung ausgestattete Feierlichkeiten zu erhaltend Eine der Zierden unserer Sitte war jene vollständige Gleichheit. Wohl erkennt sowohl die Form als der Rabbiner keinen Unterschied; Rede und Segensspruch erhalt der Aermste wie der Reichste; ein Unterschied aber besteht doch, und er ist im Widerspruch mit Gebrauch im Judenthume. Die Konfirmation, hier zu Lande Initiation religieuse genannt, findet alljährlich nach dem Wochenfeste in der Synagoge statt; obgleich erst seit einigen Jahren bestehend ist sie doch schon in das Leben der ף Da bei Trauungen auch in anderen Städten den Frauen der Eintritt in das Schiff gestattet ist, so scheint der Gedanke vorzuwalt.en, daß, da die Trauung nicht ein allgemeiner Gottesdienst, sondern nur eine einzelne Perfirnen berührende Ceremonie ist, von der vom Herrn Correspondenten mit Recht hervorgehobenen, im religiösen Gefühle der Anden basirten Trennung der Geschlechter, .abgesehen werden kann. D. N. Frankel, Monatsschrift. :.