Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1852)
- Article
- Briefe aus Paris
- Date
- 1852-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Briese aus Paris. 338 der, obgleich erst seit einigen Jahren in Paris, schnell die Bedürfnisse dieser großen Gemeinde erkannte und mit lebhaftem Eifer zu befriedigen suchte, den Wechsel der Zeit so wie den Triumph des Rechtes hervor; wie die von Gottes .Volke verkündete Einheit des Schöpfers, in der durch die französische Revolution anerkannten. Gleichheit vor Gott und dem Gesetze,ihre, edelste und heilsamste Entwickelung fände. Es war für den aufmerksamen und nicht leichtfertigen Zuschauer ein wahrhaft erhebendes Gefühl, zu bemerken, wie tief da die Gleichberechtigung eingetreten sei, wo Cultus und dessen Stätte es zu einer so hohen und allgemeinen Anerkennung gebracht haben. Da wir hier den allgemeinen Zustand der französischen Juden,, so wie deren Anstalten zu beschreiben uns vorgesetzt haben, so können wir bei der Beschreibung der Ceremonie, als eines nur isolirt stehenden Factums nicht' länger verweilen; und wollen nur dies ansühren, daß Jude sowohl als Christ inneulich befriedigt ein Haus und eine Versammlung verlassen mußten, die in einer, so kurzen Zeit die edlen.Früchte der Gesittung sich eigen gemacht, und durch die That bewiesen hat, wie man mitten in der Freiheit seinem Gotte und Glauben treu verharren könne. — Reich und Arm hatten zur Schmückung des Gotteshauses beigetragen, und mit einer Freude, die man in dieser Zeit, und jener Stadt nicht erwartete, hatten sämmtliche Mitglieder gezeigt, daß Israel, gleich den Cedern des Libanons, immer grüne und blühe. ,Zehn Monate früher, hatte die kleine sefardische Gemeinde ein-sehr niedliches und für ihre Zahl äußerst geräumiges Bethaus eröffnet, das sie seit dieser Zeit mit Fleiß besucht und mit Eifer unterhält. In beiden Synagogen wird, vom Vorsänger und Chor nach passenden Melodien gebetet und gesungen: in. wie fern Musik beim jüdischen Gottesdienste nach unserer Meinung zu gebrauchen sei, werden wir am Ende dieser Briese mit Hinblick auf die jüdische Kunst im Allgemeinen zn besprechen suchen. — Außer diesen öffentlichen vom Staate anerkannten und zum Theil unterhaltenen Bethäusern wird in Paris noch in beinahe zwanzig kleinen , Oratorien täglich gebetet, und so im Mittelpunkt und im Hanptort der Mode und des Genusses Gottes Name auf feierliche Weise angerufen, als klarster Beweis, daß der Jude nirgends, auch mitten in der Jagd nach Vermögen und Ehre seiner wahren Bestimmung auf Erden, ein Priestervolk zu sein und zu bleiben, untreu wird. Zum Gesänge und Gebete kommen von Zeit zu Zeit größtentheils vom Oberrabbiner Isidor, manchmal auch vom Rabbiner-Adjuneten Trevel abgehaltene französische Reden,.in denen, .mit Rücksicht auf Gelegenheit und Fest, die Grundwahrheiten des Judenthums auf würdige und erbauliche Weise eingeprägt werden. Seit Jahren schon erfolgt die