Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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332 Bilder ans dem Leben und Wirke» der Rabbiner. daselbst ein Läugner (כופר) der Unsterblichkeit den R. Gamal.: Er verlangt nicht einen Beweis aus der Schrift (מניין) sondern widerstreitet der Lehre: ״Ihr behauptet, daß die Tobten auferstehen; sterben doch die Lebendigen, wie sollten die Tobten lebendig werden?" — Und dreimal wiederholt sich diese Frage an verschiedene Rabbinen und zweimal wird hier das Wort כופר, einmal צדוקי (im eigentlichen Sinne) gebraucht ibicl. S. 91. — Und wie treffend wußte R. Gamal. den Heiden zu antworten! Ein Philosoph fragte ihn: Es heißt in eurer Lehre, Gott ist eifervoll, warum eifert er gegen die Götzendiener und nicht vielmehr gegen die Götzen selbst? Da führte ihm R. Gamal, ein Gleichniß an: Ein König hat einen Sohn und dieser nennt seinen Hund mit dem Namen seines Vaters. Wird der König über den Hund zürnen, oder über den Sohn? — Auf die zweite Frage, warum Gott dann die Götzen nicht zu Grunde richte, wenn sie so werthlos wären, antwortet R. Gamal.: Dienten die Heiden blos unnützen Dingen, so könnte dies wohl geschehen; allein sie beten Sonne, Mond, Wasser u. s. w. an; sollte nun Gott um der Thoren willen die Welt zerstören? Eine ähnliche Antwort gibt er einem gewissen Agrippa, einem römischen Feldherrn. (Aboda Sara 54b und 553.) R. Gamaliel lebte aber nicht nur im geistigen Kampfe, theils mit seinen principiellen Gegnern unter den Rabbinen, theils mit Heiden und christlichen Philosophen; sondern er hatte auch seine ganze Energie nöthig, um die Leiden, welche in seiner Zeit über Israel hereinbrachen, zu überdauern und seine Kraft zu stählen, um ihnen zur Abwehr hülfreiche Hand zu leisten, und manchen grausamen Beschluß über die Juden abzuwendcn. Damit stehen— wohl auch seine vielen Reisen in Verbindung?) Wer weiß es nicht, mit: welcher Grausamkeit Trajan, der sonst so weise regierte, nach seinem Zuge gegen die Parther (108) gegen die Juden, besonders gegen die Gelehrten in Mesopotamien wükhete? Welche Bedrückungen und Erpressungen müssen vorangegangen sein, daß die an Kraft gelähmten, dem Stillleben in ihrer Lehre itnb dem dnldsamen Ertragen ergebenen Juden zu der fürchterlichen Empörung in Cyrene und auf der Insel Cypern anfgestachelt wurden! (115 und 116.) Und wie mußten sie nachher ihren Jrrthum büßen! Sollte paßt, indem sie keine andere schriftliche Lehre hatten, als die Pharisäer. Vgl. hierüber Frankel ״Einfluß der Palästinischen Exegese u. s. w." S. Z44 und dessen Worte in dieser Zeitschrift S. '184. 8)׳Vrgl. die Abhandlung von Grätz im fünften Hefte.