Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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324 Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner. chische Wissenschaft und Kenntniß der Astronomie- 2 3) nach welcher er Tafeln angefertiget hatte, um die verschiedenen Gestalten des Mondes nach seiner Ab - und Zunahme den Zeugen vorzuhalten und durch Fragen die Wahrheit ihrer Anssage zu ermitteln. Auch kam es bisweilen vor, daß er ein scheinbar widersprechendes Zeugniß annahm, wenn er nach seiner Berechnung ermitteln konnte, was Wahrheit in ihreur Zeugnisse sei und worin der Jrrthum liege. Nun sagten einst zwei Zeugen aus, daß sie den Neumond am dreißigsten Tage gesehen hätten und doch wurde er am Abende nicht gesehen. R. Gamaliel nahm die Zeugen an rmd erklärte den Beginn des Neujahrs. R. Dosa L. Hyrcan dagegen erklärte sie für falsche Zeugen, woraus sich Rabbi Josua mit den Worten: ״Ich bin Deiner Meinung," dem R. Dosa anschloß. Hierauf befahl R. Gamaliel dem N. Josua, daß er an dem nach seiner Rechnung stattfindenden Versöhnungstage mit Stab und Geld und in Reisekleidern zu ihm komme, um öffentlich einen Beweis der Anerkennung der Feststellung des R. Gamaliel zu geben- R. Akiba brachte ihm den Befehl und schmerzlich rief R. Josua aus: Lieber läge ich ein Jahr auf dem Krankenbette, wenn R. Gamaliel nur dies nicht beschlossen hättet) N. Akiba aber tröstet ihn durch den Beweis aus der Schrift, daß man selbst bei offenkundigem Jrrthum ohne Gewissensscrupel in Feststellung der Feste dem Nasi folgen könne und solle. Und da auch R. Dosa dieser Meinung ist, so folgt R. Josua dem Befehle des R. Gamaliel und dieser steht auf, küßt ihn und begrüßt ihn mit den Worten: ״Willkommen mein Lehrer und mein Schüler zu gleicher Zeit; mein Lehrer in Weisheit und mein Schüler, indem Du meinem Wunsche genüg- 2) No sch haschana ,2-4. 3) Hieros. Rosch haschana £81) und Babli ibicl. 25. Warum er nur über N. Josua und nicht auch über N. Dosa dasselbe verhängte? Vielleicht war ihm der öffentliche Widerspruch des N. Josua als Ab-beth-din von Zu großer Bedeutung, und mußte er zu sehr üble Folgen und getheitte Praxis befürchten, als daß er nicht eines positiven Beweises der Anerkennung von Seiten des N. Josua bedurfte. N. Josua dagegen seinerseits, der festen Meinung, daß ein Jrrthum obwalte, hielt sich in seinem Gewissen verpslichtet, denselben durch seinen offenen Widerspruch zu verhindern. ■4) Weil es sein Gewissen Lief verletzte, den nach seiner Ueberzeugung wahren Versöhnungstag zu entweihen, nicht, wie Jost meint (S. 496), ,,als diesen Schimpf ertragen." Das konnte man schon daraus schließen, daß er sich mit 9t. Akiba's Antwort, daß selbst beim offenbaren Jrrthum des Nasi die Feste sich doch nach seiner Bestimmung richten, trösten läßt; welcher Trost nach der Jost'schen Auffassung keinen Sinn hätte.