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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-05-01 · Heft 8 (Mai 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 8 (Mai 1852)
Article
Briefe aus London
Date
1852-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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300 Briefe aus London. verständiger mit: daß höchstens in sechs oder acht Jahren diese Frage, die im Grunde nur einen Ehrenpunkt enthält, auch im Oberhause erledigt sein wird. - X. Ich bin Ihnen noch einige nachträgliche Notizen zu meinen früheren Mittheilnngen schuldig und will nun versuchen, mich meiner Vervflichtung zu entledigen. Meine Briefe erzählten Ihnen von den für die Kinder der Armen errichteten Unterrichtsanstalten; ohne Zweifel drängte sich Ihnen hierbei die Frage ans, wie es mit dem Neligionsunterrichte der Kinder der Bemittelten bestellt sei. Hier, lautet die Antwort sehr betrübend: es ist Alles dem Zufalte überlassen, denn es fehlt an gründlich - gebildeten Lehrern. Doch lassen wir einen Mann hierüber sprechen, dessen Urtheil competent ist, den Oberrabiner Dr. Adler. Derselbe gehet schon lange mit dem Plane um, ein Seminar für Rabbiner und Lehrer zu errichten, und Sie werden wohl von dem von ihm am 4. Jan. d. I. veranstalteteu Meeting, bei welchem Sir Moses Montefiore den Vorsitz führte und das zahlreich besucht war, gehört haben. Dr, Adler setzte in einer längeren Rede das dringende Bedürfniß eines solchen Institutes auseinander, und heben wir folgende Worte heraus: ״Ist es recht, frage ich Sie, daß eine au Anzahl, Reichthum und gesellschaftlicher Stellung so hervorragende Gemeinde das einheimische Talent aus Mangel an Bildungsanstalten zu Grunde gehen sieht, und Lehrer, Leiter und Unterrichter, aus dem Auslande holen muß? Ist es recht, daß Jene die der Welt Erzeugnisse des Genies und des Unternehmungsgeistes darbieien, gestehen müssen, daß es diesseits des Meeres keine Kenntnis dech göttlichen Gesekes gebe, oder daß mau unter Kaufleuten kein Wissen finde? Ist es recht, daß, während jede andere Confession, jeder Glaube Bildungsanstalten für seine Lehrer hat, wir allein eine beschämende Ausnahme machen?.... Und was ist die Folge dieses traurigen Zustandes? Viele Eltern übergeben mit blindem Vertrauen ihre .Kinder Lehrern zur Bildung, vertrauen diesen ihre thenersten Interessen an, ohne zu fragen, wie das Werk vollführt werde; stellen mitunter ihre Kinder unter die Aussicht von Männern, mit denen sie selbst sich kaum entschließen würden zusammenzuleben." Dieses ist die eigentlichste Schilderung der bisherigen UnterrichLszustände in London. Hoffen wir, daß das Projeet des Dr. Adler, welcheS mit entschiedenem Beifalle aufgenommm wurde, bald seiner Erfnltung entgegsngehe und dem dringenden Bedürfnisse durch Heranbildüng tüchtiger Lehrer Abhülfe gebracht werde. ף In dem erwähnten Meeting wurden bedeutendeGeldsummen gezeichnet.

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