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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-05-01 · Heft 8 (Mai 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 8 (Mai 1852)
Article
Briefe aus London
Date
1852-05-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Briefe aus London. '297 Sitz im Parlamente den Baumwollenlords gegenüber bringen wollte, daß in dieser Bill, die .ihre gewisse Niederlage in ihrer Lächerlichkeit trug, der die Juden berührende Punkt nicht figurirt hätte: das Lächerliche macht einen bleibenden nachtheiligen Eindruck, und es .hat das neue Toryministerium einen Vorwand mehr, von dieser Bill ganz abzusehen. Und was ist auch von einer Negierung mit einem Derby (Stanley) an der Spitze zu erwarten? Erblickt doch dieser Premier das Heil des Volkes darin, daß es sein Brod Lheuer bezahle, denn ״so war es von jeherund natürlich auch keine Emaneipation der Juden, denn ״so war es von jeher." Zwar scheint der Schatzkanzler D'Jsraeli Ln seinem ״Tancred" für die Juden zu schwärmen; allein D'Jsraeli weiß, wie zwischen einem Oppositionsmitgliede und einem aus der Opposition zu der Negierung gelangten Mitglieds, so auch zwischen dem Romantiker und dem Staatsmanns zu unterscheiden: der liebenswürdige Schwärmer soll doch wohl nicht für seine Romantik eine der einflußreichsten Stellen in die Schanze schlagen! Uebrigens kann man diesem Talente D'Jsraeli's einen gewissen Grad von Be- Wanderung nicht versagen. D'Jsraeli fühlt und leidet seinen Schriften nach schon seit Jahren für und mit dem Juden, und dennoch unterdrückte er im Parlamente mit seltener Selbstbeherrschung seine Gefühle, gab nicht bei Gelegenheit der Judenemaneipationsbill seinen inneren, tiefen, leidenden Empfindungen Worte! Unter diesem Ministerium hat also die Judenbill keine Aussicht; dennoch werden wieder zwei Juden als gewählte Mitglieder des Unter- Hauses eintreten: Sir Lionel Rothschild und Mr. David Salomons. Zur näheren Verständniß erlauben Sie mir, ein Wort über diese Emaneipationssrage in England vorauszuschicken. Vermeinen Sie nicht, daß es sich hier um irgend eine bürgerliche Frage handle, daß der Engländer etwa die Engherzigkeit kenne, die den Juden gern von Gewerben und Zünften ausschließen, ihn in seiner Niederlassung beschränken und seinen Bewegungen und Wirksamkeit die engsten Grenzen setzen will, die selbst um die einheimische Lust einen Cordon ziehen möchte, daß sie kein ausländischer Jude einathme. Wähnen Sie auch nicht, daß die englische Gesetzgebung dem Juden in irgend einer Weise in Entfaltung seiner Kräfte und Rechte entgegentrete, daß sie ihn von irgend einem Amte oder Würde ausschließe, daß ihr eine Anerkennung abzudringen sei, die sie unwillig gibt und willig und bereit bei jeder Gelegenheit durch die That zurücknimmt. Der Engländer ist frei, und kann sich auch seinen Mitmenschen nicht anders als frei denken. Anträge, wie man sie aus dem Continente in manchen Kammern vernimmt, würden im ganzen Lande den tiefsten Unwillen erregen und.

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