Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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294 Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner. er seine Tage einsam verlebte. Rührend ist sein Abschied von seincn Freunden R. Akiba und R. Josua, die ihn in seiner Sterbestunde besuchten. Cr schlug seine Arme über sein Herz und trauerte, daß sein Reichthum an Wissen, den er mit unsäglichem Fleiße gesammelt hatte, durch den Bann so spurlos mit ihm begraben werden sollte, ohne daß es ihm vergönnt gewesen wäre, ihn auf seine Schüler zu vererben. Und obgleich er noch bei seinem Tode seine Lehren gegen die Gelehrten behauptete, so löste doch R. I. den Bann, seine Leiche wurde nach Lidda, seinem früheren Lehrersitze, geführt und ehrenvoll bestattet, und Akiba brach in herben Schmerz um ihn aus (Synhedrin 68)2). So sehr aber R. Josua bei jener Gelegenheit R. Elieser entgegen trat, weil dieser der Mehrheit thatsächlich opponirte, so konnte er sich nicht überwinden, da, wo er einen offenbaren Jrrthum zu finden glaubte, gegen sein Wissen uachzugeben, und beträfe es den Nasi selbst. Außerdem scheinen N. Gamaliel und R. Josua denselben Zweck, die Kräftigung des Religivnsbestandes, nach entgegengesetzten Principien verfolgt zu haben. N. Gamaliel fand das einzige Mittel in der tlniformirung aller Einzelnheiten des Gesetzes nach dem Willen und dem Vorgänge der obersten Neligionsbehörde; Rabbi Josua dagegen wollte Einheit in der Mannigfaltigkeit. Ihm lag daran, dem Volke zu zeigen, daß die Streitigkeiten der Gelehrten keinesweges das Gesetz schwächen, sondern im Gegentheile dessen Vorzug zeigen, daß cs dem Geiste freien Spielraum lasse, und daß das Gesetz im Ganzen und Großen durch die Zulassung von Nüancirungen mit N. Josua, die wir weiter unten anführen werden, nicht ״kleinlichen Ehrgeiz" und ״geistliche Tyrannei", sondern cm höheres Moment: Einheit im J«denthnme zu erkennen. Höchst sonderbar aber scheint uns die Aeußerung Jochs <Theil III. S. 202.), daß 9״t. E. sich einzelnen Ketzereien günstig gezeigt habe, was seine Verfolgung erleichtert hätte." Dies belegt er daselbst mit Aboda Sara 18., wo man das gerade Gegentheil findet. R. E. sollte nämllch von Heiden, heißt es daselbst, znm Abfall gezwungen werden, wurde jedoch gerettet, und machte sich den Vorwurf, daß ihm dies widerfahren wäre, weil er einst von Jacob, einem Ketzer, eine sehr richtige Erläuterung angcnommcw hätte, indem auch dieses schon ein Vergehen sei. — Die Verdienste Jochs um die jüdische Geschichte sind nicht zu verkennen, und es müssen auch seine Gegner zugestehen, daß er den Weg gebahnt habe; nur wäre zu wünschen, daß er unparteiischer und selbstständiger zu Werks gegangen wäre. 2) R. Akiba scheint schon damals, noch vor Ausbruch des Aufstandes in Gefahr geschwebt zu haben, da er wohl den Römern schon als Unzufriedner verdächtig sein mochte; daher ihm R. E. sein schreckliches Schicksal weissagt.