Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829142-2851842--00370-2851863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bilder aus dem Lcbcu und Wirken der Rabbiner. 293 Lehrhauses möget für mich zeugen! Und siehe da! sie neigten zum Sturze sich. N. Josua aber rief ihnen zu: Wenn Gelehrte sich mit Gründen bekämpfen, was habt ihr euch darein zu mischen? Und die Wände blieben in der gebeugten Stellung weder fallend noch sich ansrichtend, um beiden Streitenden zu genügen. Als endlich R. Elieser das Scitfol8 9) anrief und dieses ihm zustimmte, so wies ihn der Freimuth R. Josua's mit den Worten zurück: Wir achten in der Halacha auf kein Batkol: denn es heißt: 5 B. M. 30. Nicht im Himmel ist sie (die Lehre) u. s. w. <J). Da indessen R. Elieser, der Mehrheit nicht nachgcbend, dennoch nach seiner Ansicht entschied, so verbrannten sie in seiner Gegenwart alle die Gegenstände, die er gegen die Meinung der Mehrheit für rein erklärt hatte und thaten ihn in den Bann, was ihm durch R. Akiba aus schonende Weise verkündet wurde. Daß aberR. Gamal, hierbei nicht im Entferntesten an Nebenabsichten dachte, beweisen nicht nur die Umstände, daß R. Elieser sein Schwager war, daß dessen Freund R. Josua mit einstimmte, sondern es wird ihm auch dieses daselbst mit ausdrücklichen Worten bezeugt. N. Gamaliel befand sich, so heißt es dort, auf dem Schiffe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm und drohete dem Schiffe den Untergang. Da sprach N. Gamaliel: Dies scheint in Folge der Kränkung zu geschehen, die R. Elieser erfahren hatte, und betheuerte: Herr der Welt! dir ist es bekannt, daß ich es nicht zu meiner Ehre und nicht zur Ehre meines Hauses, sondern zu deiner Ehre gethan habe, damit nicht die Spaltungen überhand nehmen in Jsrael.R. Elieser zog sich nun betrübt nach Cäsarea zurück, wo 8) lieber Batkol, welches in diesem Zusammenhangs eine Stimme vom Himmel bedeutet, herrscht Dunkel. 9) Diese offenbar hyperbolische Erzählung stellt die schöne Seite des Judenthums ins Licht, daß es nicht durch Wunder angestaunt und blind geglaubt, sondern vernünftig begriffen sein will und kann. Nicht im Himmel ist sie, ruft N. Josua, sie wurde uns gegeben und soll Eigenthum unsers Geistes und aus uns heraus begriffen werden. So wenig sich das Volk von einem falschen Propheten durch Wunder blenden lassen sollte, von der Lehre abzufallen, ebensowenig sollte überhaupt das Wunder als Beweismittel in Gesetzesentscheidungen berechtigt sein. Sehr bezeichnend ist die Hinzufügung: N. Nathan wäre dem Propheten Elia begegnet und hätte ihn gefragt, was wohl Gott zu jener Zeit gethan hätte, und dieser habe ihm geantwortet: Lächelnd sprach er, meine Kinder haben mich besiegt. — Die ganze Ausschmückung jener einfachen Begebenheit zeugt von der Absicht, im Gesetze nur nüchterne Gründe und die Majorität gelten zu lassen, und allen fremdartigen und mystischen Elementen den Einfluß abzuschneiden. 1) Diese Relation dürste dazu beitragen, in der Angelegenheit des N.G.