Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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L92 Bilder ans dem Leben und Wirken der Rabbiner. (Abot dcrabi Nathan II. Ende): man unterrichte nur einen weisen, bescheidenen Menschen. Zwar lehrten die Hilleliancr, die Lehre soll unbeschränkt geboten werden, da schon viele Frevler zur Lehre herangezogen, fromm, wacker und bieder geworden wären (das.); allein R. Gamaliel sah sich aus obigen Gründen bewogen, durch strenge Auswähl der Schüler den Ketzern den Weg zu versperren?). Nach innen dagegen sollte sich die Synagoge durch Einheit stärken und dies sollte durch Wiederherstellung des Synhedrinm in seinem frü- Hern Ansehen bewirkt werden, daß der Einzelne seine Meinung dem in der Schule durch die Mehrheit gefaßten Beschlüsse unterwerfe. Was ihm an äußerer Macht abging, mußte durch Energie ersetzt werden. Nur zu bald trat die Gelegenheit ein, daß R. G. wider seinen Willen, wie er später selbst äußert, aber zum Frommen der Einheit im Iudenthume, von seiner Energie gegen einen der größten Manner seiner Zeit, den hochgeachteten R. Elieser Ben Hyrcan, seinen eigenen Schwager hat Gebrauch machen müssen, und wobei ihm R. Iosua wacker beistand. R. Elieser hatte sich nämlich von der Heftigkeit und Härte der Sammaitischen Schule, der er in den meisten Stücken folgte — nach Einigen soll er gar ein Schüler Sammai's gewesen sein — und welche in der hartnäckigen Streitlust bis zur Gewalt ausartete (Hieros. Sabbat. 3) und jede Autorität in Frage stellte, nicht befreiet. Sein ausgebreitetes Wissen und sein scharf auffassender Forschergeist waren von seinem Lehrer N. I. B. Saccai nicht minder, als seine Kenntniß der Geheimwissenschast, anerkannt und bewundert; dieses Bewußtsein seines Werthes konnte ihn nur in seiner Unbiegsamkeit bestärken. Einst, erzählt der Talmud Baba Mezia 59b. war R. Elieser mit den andern Weisen über einen Fall, der die Entscheidung über eine levitische Reinheit betraf, in Streit, und nachdem er sich in allen möglichen Gründen, um seine Gegner zu überweisen, vergeblich erschöpft hatte, griff er zu Beweisen durch Wunder. Obschon aber das Gelingen der Wunder ihm zur Seite stand und ein Dattelbaum auf sein Geheiß eine große Strecke von seinem Orte rückte und ein Wasserbächlein rückwärts wich, so erwiderten doch die nüchternen Gelehrten, ein Wunder sei kein Beweis gegen Gründe. Da rief er aus: Ihr Wände des 7) Wenn Joü die Worte 1122 121N in seiner ״Geschichte d. Israel. in LBdn." Bd. II. S. 105 übersetzt: ״Er ließ zu seinen Belehrungen nur Diejenigen zu, die seines Sinns waren, die man für Anhänger eines andern Lehrers hielt, wurden abgewiesen," so vermissen wir allerdings die Treue des Geschichtschreibers, und sehen in der gesuchten Beschuldigung nur die Bewährung des Satzes .שנאה מקלקלח השורה