Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-05-01 · Heft 8 (Mai 1852) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 8 (Mai 1852)
Article
Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
Date
1852-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829142-2851842--00366-2851859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner. 289 seiner Zeit war, und R. Gamaliel verehrte ihm das Nachgebet. Da dieser gegen R. Gamaliel das Tischgebet nur inhaltlich in einer Bcnedeiung ohne Weiteres (קפץ) verrichtete, so redete ihn R. Gamaliel an : Akiba wie lange mischst Du noch Dein Haupt in Streitigkeiten? Dieser aber erwiderte muthig:' Obwohl Du anderer Meinung bist, so hast Du uns ja auch gelehrt, daß die Meinung des Einzelnen derjenigen der Mehrzahl weichen muß. Und R. Gamaliel nahm es ruhig hin (Berachot 37, 2). Ja R. Gamaliel reiste einst mit R. Akiba zur See und sah es ruhig, wie dieser seine Laubhütte auf dem Schiffe errichtete, die nach seiner Meinung ungültig war und erlaubte sich nur den Scherz denselben, als der Sturm seine Hütte auseinander riß, zu fragen: Akiba 1 wo ist nun Deine Hütte?*) — Wir finden in diesem Allen keine Spur eines hierarchischen Charakters?). Im Gegentheile finden wir Züge des Wohlwollens, des Mitleidens, der Einfachheit, die mit dem Charakter eines ״geistlichen Tyrannen" (wie ihn Jost nennt) unvereinbar sind. Baba Mezia 8, 8 wird uns berichtet, daß er seinen Oekonomen, welche einen Antheil der Früchte zum Lohn erhielten, Weizen zum Säen vorzuschießen Pflegte, den er in natura wiederbekam, und dabei es stets bei Aenderung des Preises so berechnete, daß die Oekonomen den Vortheil davon zogen; die Mischna fügt hinzu: ״Nicht daß dies die Pflicht gefordert hätte (denn er konnte sich unbekümmert um den Preis Maaß für Maaß erstatten lassen); allein er that es, um auch der entferntesten Spur eines Zinsenannehmens vorzubeugeu" (רצה להחמיר על עצמו). — Von seiner großen Theilnähme selbst an den Leiden ihm fern stehender Personen erzählt Talm. Synhedr. 104, 2: Einer Nachbarin des R. Gamaliel starb ihr Kind und ste klagte darüber die ganze Nacht. Da dies R. Gamaliel mit anhörte, so weinte er dermaßen, daß er kaum am Morgen die Wimpern erheben konnte. Als dies die Schüler wahrnahmen, so entfernten sie die Frau (vrgl. Echa Rabba 1). Selbst in seinen halachischen Aussprüchen zeigt sich der Einfluß seines Wohlwollens, das immer gern dem Schwachem zur Seite stand. Wir haben dies schon oben aus Ketubot VIII, 8. ersehen, aber noch auffallender zeigt es sich daselbst Per. 1. Mischna 6, 7, 8 und 9, wo R. Gamaliel gegen R. Josua stets zu Gun- 1) Wir glauben nicht, daß dies die Reise nach Nom sei, die Erub. IV, I. erwähnt wird, da nur N. Ak. und nicht, wie dort, so wie Raaser scheni V d die וקנים erwähnt sind. vrgl. oben S. H.2. 2) Wie Jost Th. S. S. 183. 196 ». a. O. ihn darsteilt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.