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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-05-01 · Heft 8 (Mai 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 8 (Mai 1852)
Article
Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
Date
1852-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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288 Bilder aus dein Lebe» und Wirken der Rabbiner. Anspruch. So heißt es(Edujot 8, 3): 3״t. Josua und R. Juda beu Betyra zeugten, daß die Wittwe eines Mannes, in dessen Familie sich ein Glied befindet, dessen reine Abstammung in Bezug auf Fa-- higkeit zum Priesterthume zweifelhaft ist (אלמנת עיסה) nicht sofort und ohne Untersuchung zur Ehelichung eines Priesters unfähig sei. N. Gamaliel erwidert aber: Euer Zeugniß in Ehren; allein was ist zu thun, da schon R. Jochanan ben Saccai beschlossen hat, über dergleichen Untersuchungen kein Gericht niederzusetzen, da die Priester zu ängstlich aus Reinheit der Abstammung achten?" — Ein anderes-Beispiel findet sich Ketubot 8,1: ״Wenn einer Frau nach ihrer Verlobung Etwas als Erbschaft zugesallen ist und sie hat es verkauft, oder verschenkt, so hat ihre That Geltung." Da fragte man 3t. Gamaliel: warum sollte dieses Erbe nicht als des Mannes Eigenthum betrachtet werden, da sie doch selbst sein Eigenthum geworden? Er aber entgegnete: ״Wir können nicht antworten, weshalb die nach der Verehelichung ihr zugefallenen Güter nicht ihr gehören, und ihr wollet dem Manne auch die von vor der Verehelichung her zurechnen." Dieselbe Antwort wiederholt sich in dieser Mischna auf eine ähnliche Frage. Es zeigt sich, daß R. Gamaliel noch viel milder, als selbst die Schule Hillel's für die Frau entscheiden möchte; doch wagt er es nicht seiner Ueberzeugung, der frühem Anordnung entgegen, zu folgen. Von seiner Freundlichkeit und Bescheidenheit im Umgänge mit seinen Kollegen zeugt folgende Erzählung (Kidduschin 32.). Einst saßen R. Elieser, R. Josua und R. Zadok bei dem Gastmahle, zu Ehren des Sohnes R. Gamaliel's, und R. Gamaliel bewirthete sie in eigener Person, was Jene so hoch, aufnahmen, daß R. Elieser Bedenken trug, sich von dem großen Lehrer bedienen zu lassen, bis ihn R. Josua und N. Zadok beschwichtigten §). — Auch nahm er den Schülern eine freimüthige Aeußcrung nicht übel. Es waltete Streit ob zwischen 3t. Gamaliel und andern Gelehrten, ob nach dem Genüsse einer der sieben Fruchtarten, mit denen Kanaan in der heiligen Schrift gepriesen wird, das vollständige Tischgebet in drei SegenSsprüchcn oder nur inhaltlich in einem Segensspruche verrichtet werden solle. Einst saß N. Gamaliel zu Jericho mit seinen Collegen und R. Akiba, der damals sein ausgezeichneter Schüler und später der vorzüglichste Rabbi g) Zu bemerken ist übrigens hier wie in weiter unten vorkommenden Erzählungcn das freundschaftliche Verhältnis R. Gamaliels und N. Josua's vor dem Ausbruche des Streites. Es ist nämlich anzunehmen, daß, wo ר' גמליאל mit ר״י und ר״א ohne רא״בע vorkommt, das Factum vor der Absehung des ר״ג gewesen sein muß.

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