Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner.?87 üben sollten, daß man sie nicht für Freie halte, was im Gesetze mancherlei wichtige Eonsequenzen haben könnte), und die Weisen verboten es nicht (Semachot 1, 13. und Talm. Hieros. Erubin Perek 10 Anfang); und als einst am Snccotfcst die Eollegen (זקנים), wahrscheinlich R. Elieser, R. Josua und N. Akiba bei ihm versammelt waren, rühmte er im freundlichsten Tone, wie sein Diener des Gesetzes kundig sei, und in der Laubhütte unter einer Bedeckung sein Lager bereite, wohl wiffend, daß die Knechte des Laubhüttengesetzes ledig sind (Succa %, 1). Und als Tobias starb, nahm er wie um einen Freund Tröstung an, und auf die Frage seiner Schüler, daß man ja wegen eines Sclaven keine Tröstung annehme? erwiderte er: ״Mein Knecht Tobias war nicht wie andere, er war ein würdiger Mensch". Wie schroff und hart bcnahm sich dagegen Rabbi Elieser in einem gleichen Falle! (Bernchot 16, %). Die rmbiegsame Consequenz desselben war es eben, welche ihm spater den Baun zuzog. — Ja R. Gamaliel war seinem treuen Tobias so zugethan, daß er, als er einst durch einen Zufall demselben ein Auge verletzt hatte, mit großer Freude auf den ihm begegnenden Rabbi Josua zuging und ihm erzählte, daß dieser Zufall seinem Tobias (nach %. Buch Mofis) die Freiheit verschafft habe (Baba Kamma f. 74). Wer erblickt nicht in diesem ganzen Verfahren die Humanität, die gern dem Wohlwollen die Eonsequenz des Gebrauches opfert, wohl wissend, daß auch das weiseste Gesetz, mit starrer Eonsequenz geübt, gegen den Geist desselben handeln heißt? Allerdings sehen wir an R. Gamaliel auch sonst diesen Vorzug, daß er den Brauch mit einiger Freiheit behanbette. So gestattete er sich ausnahmsweise, am Hochzeitabend das übliche Schema zu lesen und antwortet seinen Schülern, die sich verwundernd äußern, (weil dies wegen wahrscheinlichen Mangels der Andacht nicht Brauch war): ״Ich höre nicht auf Euch, auch nur eine Stunde mich dem Ausdrucke der Unterwerfung unter den Willen Gottes zu entziehen". Eben so erlaubte er sich gegen den Brauch, in der Nacht da seine Frau starb, zu baden, weil er schwächlicher Natur sei und es nicht entbehren könne. Dies Alles ist das Zeichen eines freiem Geistes, der Gesetz und Brauch mit Vernunft zu handhaben versteht. So frei er aber den Brauch nach Umständen behandelte, so hielt ihn doch die Ehrfurcht vor den einmal von frühem Lehrern beschlossenen Einrichtungen ab, eine derselben geradezu abzuändern. Denn Ehrfurcht vor der obersteu Religionsbehörde hielt er für einen Grundpfeiler des Bestemdes der Religion und nahm diese daher auch für sich als Nasi in