Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner. '885 Hand das Steuer lenken, ein energisches und umsichtiges Haupt allen Kräften einen Einigungspunkt zum Zwecke der Erhaltung des Glaubens bieten. Unter diesen Herrschern aber und noch in den ersten Jahren der Hadrianischen Herrschaft führte N. Gamaliel sein Nasiamt. Und in ihm wählte die Vorsehung den Tüchtigen in so schwierigen Verhältnissen. Es galt, in Jamnia ein neues Jerusalem zu schaffen, ein Centrum für alle zerstreueten jüdischen Gemeinden, eine Regierung in religiösen Angelegenheiten, die, auf moralische Macht und auf unverbrüchliche Uebereinkunst aller Gemeinden und Rabbinen gegründet, ein Fels sei, an dem alle Gefahren äußerer Gewalt und innerer Zersplitterung brechen sollten; widerstrebende Elemente mußten überwunden werden. Dies war eine schwere Aufgäbe für R. Gamaliel. War es auch dem N. Jochanan ben Saccai gelungen, der Spaltung der Hillelschen und Sammaitischen Schulen gegenüber Einheit zu erhalten, so leisteten ihm seine bereits anerkannten hohen Verdienste, seine angestaunte Gelehrsamkeit und sein hohes, Ehrfurcht gebietendes Alter hierin großen Vorschub; was dem R. Gamaliel nicht zu Statten kam. Er mochte bei seiner Einsetzung ein Mann von 36 — 40 Jahren, gewesen sein *); ihm zur Seite standen gelehrte Greise wie N. Dosa ben Hyrcan, sowie andere ältere, ihm an Gelehrsamkeit ebenbürtige, wohl auch ihn überragende Männer. Wir erwähnen vorzüglich Rabbi Josua ben Chanania, der zum Ab-beth-din ernannt wurdet, der, (Abot 2, 10) unter den ausgezeichnetsten Schülern des R. Jochanan ben Saccai gezählt, durch Geisteskühnheit und Scharfsinn sich Ruhm erwarb, und, gewohnt in Allem der Ueberzeugung durch Gründe zu folgen, sein religiöses Gewissen kaum mit einer Autorität zu beschwichtigen im Stande war, wenn seine individuelle Ueberzeugung sich gegen einen Ausspruch sträubte; R. Elieser ben Hyrcan, von dem R. Jochanan ben Saceai, sein Lehrer, rühmt, daß er alle Weisen Jsrael'S aufwiege und der, ein Anhänger der Sammaitischen gcthan, das thue auch denen oberhalb der Erde. Dies deutet auf eine Ncligionsversolgung, indem die Sage religiöse Gebräuche der Verfolgung zu Grunde legt (?), 4) Nach Talm. Jebamot f, 1Z2 hat N. Gamal, ein Zeugniß abgelegt, daß fein Großvater N. Gamal, der Aeltcrc einst Frauen, deren Männer nach der Aussage nur eines Zeugen erschlagen worden waren, dieErlaubntß sich wie« der zu verheirathm gegeben. War N. Gamal, zu jener Zeit nur ein Knabe von 10 Jahren, so muß er, da sein Großvater 18 Jahre vor der Zerstörung des Tempels gestorben ist, bei seiner Einsetzung wenigstens 38 Jahre alt gewesen sein. 3) Baba Kamma 74. 22*