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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-03-01 · Heft 6 (März 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 6 (März 1852)
Article
Briefe aus Paris
Date
1852-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Briefe aus Paris. 226 fötit Körper wie dieser ist sicher ein respcctabler, nnd es gereicht dem Jndenthmne zur wahren Ehre, durch solche Jndividucu seine religiöse Interessen vertreten zu sehen. Ist aber, neben diesem höchst beben־־ lenden Zwecke, der Beruf des Rabbiners noch ein anderer, der nämlich, die Wissenschaft in -allen ihren Zweigen zu pflegen, Geschichte und Philosophie des Judenthums zu ergründen, die verschiedenen Zweige des Lebens zu erforschen, mtb ja zeigen, daß das Judenthnm nicht blos ein Glaube (אמונה) sondern auch eine Lehre (הוהה) sei, so ist uns unter allen ehemaligen Zöglingen der Anstalt auch nicht Einer bekannt, der ein wissenschaftlich-jüdisches Werk geschrieben, der irgend einen Zweig jüdischer Lehre zum speciellen Berufe seines Strebens gemacht habe. Wo eine solche Allgemeinheit zu Tage liegt, da muß der Fehler,, bei aller Ehrenhaftigkeit, mit der die Anstalt geleitet wurde und noch wird, im Institute selber liegen. Ware der junge Mann mit den Namen und Werken eines Sa adi aS, In da h H alevy, Maim onides in den alten, eines -Rap oPort, Zunz, Munk,. Lnzzatto und so vieler Anderen, die zu nennen hier nicht der Platz, in der neuern Zeit vertraut und bekannt geworden, so hätte sieh sicher im Gemüthe des einen oder des andern talentvollen Jünglings der göttliche Funke entzündet, und das Vaterland Nasch i's und der Tosafot hätte auch in unfern Tagen Eoryphäen jüdische!: Musters aufzuzeigen. Die Anstatt ist isolirt; darum kann sie schon von vorn herein nicht das leisten, was man von ihr erwarte!: konnte. In Deutschland ist ei!:e jede Universitätsstadt ein Mittelpunkt wisscnschastlichen Strebens und Lebens; in Frankreich, dem Vaterlande der Eentralisation, gibt es nur Ei!: Centrum für jedes Wisse!: und Wirken, das ist Paris. Paris ist das Herz und die Lebensader Frankreichs; dahin fließt, von da ans strömt alles Leben bis in die entferntesten Orte des Landes, ob dies recht oder unrecht, ist hier nicht zu erörtern; die Juden, die erst seit kaum 60 Jahren in der Hauptstadt leben, haben diese Stellung und jene Verhältnisse nicht geschaffen; sie muffen-sich aber denselben anbequemen, wenn sie etwas wahrhaft Ersprießliches leiste!: wollen. In Paris ist das Central - Eonsisiorinm, nebst den: Landes-Rabbiner; in Paris sind noch zwei andere Rabbiner; in Paris ist der unschätzbare Neichthun: an Büchern und Mannscripten, den alle fremde jüdische Gelehrte best:- chen; nie aber, beinahe nie sieht mau einen französischen jüdischen Gelehrten sich da Raths erholen, in den dunklen Schachten des Wissens der Altvordern Belehrung und Stärkung suchen. In Paris würden auch so manche Fächer jüdischen Wissens von Männern vertreten werden, die nie sich nach Metz verfügen werden, weil sie dort mit einem ' geringen Gehalte ferne von den Zweigen ihrer Thätigkcit gar bald vertrocknen würden.

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