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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-03-01 · Heft 6 (März 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 6 (März 1852)
Article
Briefe aus Paris
Date
1852-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Briefe ans Paris. rrs und seitdem auf Staatskosten erhaltene Centralrabbinische Schule. Der Name zeigt schon, was geleistet werden sollte; nicht eine jüdisch-theolsgische Facnktät behufs höherer wissenschaftlicher Ausbildung von religiofern Standpunkte sollte ii^s Leben treten; man wollte Rabbiner bilden, nichts mehr und auch nichts weniger; der Staat gründet eine gewisse Anzahl Plätze, neun wenn ich nicht irre, die unter den verschiedenen Consistorien nach der Zahl der jüdischen Bevölkerung vertheilt werden, nährt diese jungen Leute während des Zeitraumes von fünf Jahren, gibt ihnen Wohnung und Beleuchtung, und endlich auch den Unterricht in den einem Rabbiner notwendigen Gegenständen; hat der junge Mann seinen Cours vollendet, erhält er ein Diplom, das ihm, wenn er auch Bachelier ist, d. h. kein Gymnasium absolvirt hat, den Titel eines Grand-Rabbin verleiht; darauf trachtet der junge Mann sich einen Platz zu verschaffen, und damit ist die Sache zu Ende. — Ob hiermit der jüdischen Wissenschaft und deren Bedingungen Genüge geleistet wurde, konnte der Staat nicht beurteilen; nicht ihm konnte es obliegen die Geschichte des Judenthums, der alten Akademieen zu erforschen, und denselben, gemäß Institute für die Erhaltung und Fortbildung jüdischer Theologie in׳s Leben zu rufen. Ueber zwanzig Jahre besteht und wirkt die Anstalt, die meisten Rabbinate werden bald mit den ehemaligen Zöglingen der Schule besetzt sein, und es ist also sicher nicht vorlaut und übereilt, ein Urtheil über die Leistungen derselben zu fällen. Gewohnt von frühester Zeit, und tief Ln der Seele erfreut, wenn und wo Gutes geleistet wird, wollen wir erst das Heilsame erzählen und berichten. Während beinahe überall in dem zweiten Viertel dieses Jahr-- Hunderts die jungen Leute sich allein überlassen blieben, und ohne Leitung und höhere Richtung stch oft verirrten, so daß oft junge Leute an die Spitze der religiösen Interessen in den Gemeinden traten, die jeden Namen eher als den eines Rabbiners verdient, die alles eher als Talmud und Schulchan Aruch studirt hatten, findet man in den französischen Gemeinden unter beinahe 60 Rabbinern auch nicht Einen, dessen Leben und Wirken nicht wahrhaft religiös, und ohne in Bigoterie und Pietismus versunken zu sein, mit den Anforderungen, die man an einen Rabbiner zu stellen das Recht hat, im Einklänge wäre. Alle Rabbiner Frankreichs, die ehemaligen Schüler der Anstalt, sowie die wenigen, die noch einer andern Zeit angeboren, sind ehrenwerthe, moralisch-religiöse Männer, denen das Wohl ihrer Gemeinde, sowie Jugendbildung und Armenpflege am Herzen liegt. Von dieser Seite hat die Ecole centrale rabbiniqne vollständig ihren Zweck erreicht. Mit Freuden und mit einer wahren Herzens-Befriedigung spreche!: wir dies Urtheil aus, in der tiefen Ueberzeugnng, keinen Widerspruch zu erleiden.

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