Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829140-2851727--00278-2851756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Neber den Lapidarstyl der talmudischen Historik. 219 nern konnten sich jedock) dem religiösen Wortstreite nicht entziehen: so findet man den am Hose geachteten R.-Abnhu häufig in solchen Disputationen begriffen, und noch mehr mußten wahrscheinlich die mit dem Titel ״erlauchte Patriarchen" (illustres patriarchae) beehrten Nasiim als Vertreter und Vertheidiger des Glaubens in den Schranken erscheinen^). — Daß der erwähnte Hillel nach dieser Richtung vielen Umgang mit Christen gehabt, scheint schon der Umstand zu beweisen, daß ein Kirchenseribent (Epiphau. Haeres. Th. 1. S. 127) sich erzählen läßt, er habe auf dem Todtenbett das Christenthum angenommen. Die Richtung Hillels war aber im Gegentheil entschieden gegen das Christenthum, und eine wie es scheint selbst von Zeitgenossen mißverstandene Stelle zeigt, mit welchen tüchtigen Waffen er kämpfte4).—-Um diese Zeit flammte auch das Feuer über die Mysterien des Christeulhums auf: verschiedene Parteien müdeten sich ab es zu verstehen und verständlich zu machen: Personen die nach ihrem Alter, Geschlecht nnb Beschäftigung am wenigsten befähigt waren zu mtheilen, am wenigsten geübt in abstracteu Schlüssen, versuchten sich über diese Fragen; und Tertnllian rühmt, daß ein gewöhnlicher christlicher Arbeiter dergleichen Fragen, die die :)) Gelehrte Christen hielten sich überhaupt an hervorragende Juden, und so sagt Origenes (Scleci. in Psalmos 2, 514■). daß er einen Patriarchen Jullos befragt habe. Dieser Jullos war nicht ein Nasi, denn einen solchen Namens Jullos gab' es nicht zu den Zeiten des Origenes (er lebte in der ersten Hälfte des 3. Jahrh.); aber die Römer nannten auch 'angesehene Lehrer Patriarchen (vgl. Cassel a. a. O. S. 4Z Anmerk. 50). und so dürste dieser Jullos der Pesachim ala erwähnte Hillel — Jullos ist die griechische Umbiegung für הלל, und Hieronymus sagt ausdrücklich, daß Origenes. einen Juden Namens Huillus befragt habe Sohn des Nasi N° Gamali.el und Bruder des N. Zehn da Nasta sein. ' Der Titel Patriarch würde, da Hillel sich zu dem Hause der Nasiim rechnete, hier noch besonders gerechtfertigt erscheinen. -4) Hille! wird (Synhedrin 59a, דבי scheint ein Fehler) nachgesagt, er habe behauptet, Israel habe mehr keinen Messias zu erwarten, es habe ihn schon genossen (gehabt) in den Tagen Chiskia's (der König Chiskia sei der Messias gewesen). Dieser Spruch ist säst unverständlich: Naschi (das.) sucht ihm eine andere Werldung zu geben. Allein es ist bekannt, daß die Kirchenlehrer sich häufig auf JesaiaS 7, H. 9, 5 ff. (und schon Justinus Martyr eröffnet den Neigen), für ihre. Behauptung beriefen. Diesem nun setzte Hillel entgegen, das diese Verse sich nicht aus einen spätern Messias, sondern wie der ganze Zusammenhang zeigt, aus Chiskia beziehen (vgl. auch Naschi Ies. 0, l>). Durch ein ungenaues Referat wurden seine Worte von einern babylonischen Autor (Hillel lebte in Palästina: und daß zuweilen die Worte paläftin. Lehrer ungenau nach Babylon berichtet wurden haben wir oben S. 78 angedeutet, und wird die Fortsetzung des dortigen Artikels noch mehr erörtern) in dem Sinne aufgefaßt, als wolle Hillel sagen, Chiskia sei der Messias gewesen. Frankel, Monatsschrift. I. 17