Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829140-2851727--00279-2851757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
220י Ueber -rn Lapidarstyl der taimudische» Historik. weisesten griechischen Philosophen verwirrt machen wurden, leicht zu beantworten im Stande fei!5 * 7) Den Juden stellte sich eine solche Lehre durchaus als unverständlich dar. Wenn dort der Glaube den Verstand in die Grenzen eines nicht zu fassenden Verständnisses5) hineindrängte oder die Hoffnung erregte, daß man endlich doch zum Verständnisse gelangen werde, so zeigte sich dem Inden von vornherein eine nicht zu beseitigende Unmöglichkeit,—Und diese polemische Richtung liegt in ihrer Ausdehnung auf Las Verhältniß der Polemisirenden dem obigen, auch auf das Allgemeine der Lebensverhältnisse anwendbaren Spruches, zu Grunde. ״Sondere dich nicht ab von der Gemeinde" eine treffliche Aufforderung zur Theilnahme an der Gesellschaft und zur Beförderung ihrer Zwecke; aber auch die Mahnung sestzuhalten an Glauben und Glaubensbrüdern, und mit ihnen ihre verschiedenen Lagen zu theilen. ״Traue dir nicht bis an den Tag deines Todes" und ״verurtheile nicht deinen Nächsten bis du in feine Lage geräthst": neben ihrem allgemeinen tiefen Sinn auch anwendbar auf Jene, die den Glauben mit geistigen Waffen vertheidigen, daß sie auf ihrer Hut seien, und sich nicht des Sieges gewiß einer sorglosen Sicherheit hingeben. Hingegen möge aber auch Niemand über sie, wenn ihnen etwa in der Hitze der Discussion ein zweideutiger oder zu Mißverständnissen Anlaß gebender Ausdruck entfährt, vorschnell ein verdammendes Urtheil fällen. Den Schwerpunkt aber bildet: ״sage nicht von einer Sache, die unmöglich zu versteheu ist u. s. w." Dieses ist die stärkste polemische Waffe des Judenthums: und es schließt der Spruch mit der allgemeinen, hier noch ein besonderes Gewicht gewinnenden Aufforderung zum Studium der Lehre: in ihm findet das Judenthum Ersatz für Leiden und Kraft znr Ausdauer, und es darf daher nicht erst für die Stunde der Muße ausgeschoben werden. Wie sich in manchen Halachas und kurz hingeworfenen midraschischen Aeußerungen historische Momente finden, wird der solgende Artikel zeigen. Frankel. S) Vgl. Gibbon a. a. O. Th. 3. S. 271. K) Vgl.׳ die bemerkenswerthen Worte des Athanasius Th. 1. S. 888. 7) Die eine historische Beziehung habenden Sprüche behaupten deßhalb nichtsdestoweniger, wie an den in diesem Aufsatze angeführten Sprüchen zu erkennen ist, ihre allgemein religiöse und moralische Seite.