Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Ueber dm Lavidarstyl der talmudischen Historik. 217 den, die an ihrem Glauben, der Keuschheit und Reinheit so nachdrücklich und wiederholt empfiehlt, einen Probirstein:für das allgemeine Sitteuverderbniß fanden, aus Verständniß rechnen: der Mensch hochgestellt, ein Ebenbild Gottes, wie tief waren die Zeitgenossen unter diese Ebenbildlichkeit herabgesunken! Und diese entarteten gesunkenen Römlinge sie waren die Herrscher der Welt, und drückten mit grenzenloser Willkür die Unterworfenen! Ein solcher Gedanke war einem Geiste, der ganz von der Würde des Menschen erfüllt war, unerträglich. Nicht daß Israel nicht frei, sondern daß es das Joch dieser verächtlichen Unfreien, dieser erniedrigten Sclaven trug, erregte den tiefsten Schmerz in R. Akiba: Israel, das seinen Werth fühlt als. Mensch, Israel, das in kindlichem Verhältnisse zu Gott stehet und dem ein hohes Geschenk wurde, das ihm die edelste Freiheit brachte, ein gemarterter Knecht feiler den Menschen in sich anfgebendec Knechte! Die Worte des gefeierten Lehrers fanden in den mit Unwillen das schwere römische Joch Tragenden Anklang: und hätte Akiba um drei Jahrhunderte später gelebt und mit seinem Geiste eine compacte Masse, wie sie sich noch in seinen Tagen in Palästina fand, angefeuert, dann würde vielleicht seiner großartigen Ansicht ein anderer Erfolg entsprochen haben. Zn seiner Zeit jedoch war die alte römische Kriegszucht und der römische Kriegszeist in den Legionen noch nicht ganz erloschen: und wenn auch Rom in sich zusammengesunken war und durch die Legionen in sich selbst zerdrückt wurde, so wurde es doch von ihnen gegen außen und gegen die nnterworfenell Völker noch einige Zeit getragen. So wie nun in kurzen Umrissen und Andeutungen die Geschichte oder Geschichtsmotive ganzer Zeitalter niedergelegt sind, so leitet auch mitunter manches gedrängte lapidarische Wort oder Spruch aus historische religiöse Beziehungen. Von Hillel werden (Abot 2, 4) mehrere Lehrsätze angeführt: ״Sondere dich nicht ab von der Gemeinde (dem Allgemeinen): traue dir nicht bis an den Tag deines Todes: verurtheile nicht deinen Nächsten, bis du selbst in seine Lage geräthst: sage nicht von einer Sache, die nnmöglich zu verstehen ist, daß .sie am Ende doch werde verstanden werden: sprich nicht, wenn ich werde Muße haben, werde ich lernen (dem Gesetzstudium obliegen), vielleicht wirst du keine Muße haben." Mehrere dieser Sätze enthalten die reinsten Tugendlehren und bedürfen keiner Erklärung, nur scheint die An« einanderreihung etwas auffallend, da kein innerer verbindender Gedanke zwischen ihnen zu walten scheint; der hervorgehobene Satz