Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829140-2851727--00273-2851751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 Uri'« den Lapidarstyl der tälmudischm Historik. und ebenfalls ihre Erfüllung finden müssen: die epicuräische Auto-- nomie der Tugend ist also nur scheinbar. Diesem gegenüber stellte nun Antigonns die reinste Autonomie der Gottesfurcht auf: ״seid nicht wie Knechte, die um des Lohnes willen sondern die auch ohne Lohn": die Gottesverehrung trägt ihren Lohn in fich, aber sie wird nicht aus jener unreinen Quelle der Lust abgeleitet: sie hat in dem im Menschen begründeten Göttlichen ihren höhern Ursprung. Und da Epicur seiner Lehre hierdurch die Spitze aufsetztc, daß die Götter sich nicht um die Menschen kümmern, da dieses sie in ihrer Lust und Seligkeit stören würde, so fügte Antigonns als den Schwer- Punkt seiner Lehre und ihres Gegensatzes zu Epicur den andern Theil hinzu ״und es sei die Furcht des Himmels auf euch." Wohl erforscht und erkennt Gott das menschliche Thun, die Welt, die Menschheit ist sich nicht selbst überlassen: Gott wacht über sie, und er bestraft die bösen Handlungen. (Also der Gegensatz zu Epicurs Ruhe der Gottheit und daß das All sich selbst überlassen sei: und durch einen weitern Rückschluß Gegensatz zu dessen Besriedigung der Lust, die ebenfalls im Menschen Ruhe, das höchste Ziel Epicur's, Hervorbringen sollst). Wir wenden uns nun zu einem Zeitpunkt, der uns das letzte kriegerische Auflammen der Juden für Selbstständigkeit und Wiedereroberung des Vaterlandes vor Augen führt. Fünfzig Jahre nach der Zerstörung des Tempels durch Titus brach in Palästina ein großer Aufstand der Juden aus, der znm Mittelpunkte die Stadt Betther hattet). Der Aufruhr wurde ge- 1) Mit diesem Nntigonus wird das Entstehen der sadducäischen Serie ('Mut des 91. Nathan 5) in Verbindung gebracht. Diesem Referat liegt Historisches, wenn auch in anderer Weise als es dort ziemlich »ngcniigelid angegeben wird, zn Grunde. Epicur stellt die Unsterblichkeit der Seele in Abrede; er sagt von dem Tod: sind wir so ist er nicht, ist er so sind wir nicht (vgl. biiiter a. a. O. S. 467). Ein Grundzng des SadducäismuS ist aber wie bekannt die Ablängnnng der Unsterblichkeit; und da zn Antigonns' Zeit der EpicuräiSmus überhand nahm, so wurden Antigon und Saddncäer historisch richtig zusammen bezogen: nur gab nicht Antigon Veranlassung zunr Sadducäismus, sonder» fand er sich viclmehr.durch den sich alimälig entwickelnde» SadducäiSmus icigentlich EpicuräismuS) zu seinem Spruche Veranlaßt. — Dasi der Epicuräismus unter den Juden Anhänger gefunden ist aus Buch der Weisheit K. 2 zu ersehen: nur ist man über die Zeit dieses Buches in Ungewisihcit. 2) Ueber Zeit und Dauer dieses Aufstandes vgl. Napoport Kerem Chemed Th. 7 S. 175 ff. ferner S. Cassel Geschichte der Juden lErsch und Grubcr Th. 3. S. 14). Manche interessante Notizen über Betther Vgl. Cassel das.