Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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212 Uefiet den Lapydarstyl der tatmndischen Historik. Werke sindcn; das fromme Thun hat also eine doppelte Richtung: gegen Gott und gegen Menschen. Uebrigens mag auch der traurige Zustand des von dem maccdonischen Eroberer heimgesuchten Landes und die, wenn auch die Heimsuchung noch so milde, hierdurch gewöhnlich herbeigcsiihrte Verarmung vieler Bewohner Manches zur Anempfehlung des dritten Gliedes in dieser trefflichen Vereinigung bcigctragen haben. Gehen wir nun auch etwas tiefer ans die andere vormaecabäische Periode, die griechische, ein und untersuchen ob die talmudischen Quelle» uns hier einen historischen Leitfaden gaben. Nach dem Tode Alexanders kam Palästina unter ptolemäische, hierauf unter selcucidische Herrschaft. Das Gesetz hatte zwar schon wie manche Erzählnng des Josephus 5) und viele im ersten Maccabäerbuche erzählten Begebenheiten tiefe Wurzel gefaßt; aber es erwuchs ihn; ein Gegner in dem eindringenden Gciechenthum, zu dem sich ein bedeutender Theil hinneigte. Hellenische Sitten und hellenische Lehren welchen Kontrast bilden sie mit dem Judenthume: und bald standen sich im Innern zwei Parteien gegenüber ״die das Land nicht tragen konnte", und es erfolgte endlich unter Antiochns Epiphanes der völlige Ausbruch, der Kampf auf Leben und Tod, Besteheu oder Nichtbestehen väterlicher Lehre und Gesetzes. Auf die früheren inneren Reibungen scheinen manche Psalmen Hinzudeutcn"); welche ausgeprägte Lehre setzten aber die Vertreter des väterlichen Glaubens dem eindringendcn griechischen Geiste entgegen? — Es ist uns ein Spruch enthalten von Antigonns aus Socho, dem Schüler und Nachfolger Simon des Frommen : ״Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen um des Lohnes willen, sondern wie Knechte die dem Herrn dienen auch wenn sie nicht Lohn erhalten: und cs sei die Furcht des Himmels (Gottes) auf euch." (Abot 1, 3). Dieser Spruch, dessen anderer Theil in ganz losem Zusammenhänge mit dem ersten Thcile zu stehen scheint, ist eine Charakteristik der Zeitzustande: gibt Ausschluß über die Gestalt, unter welcher das Uebel cindrang, und wie die Lehrer ihm entgegenzuwirken suchten. Unter den verschiedenen griechischen philosophischen Systemen empfahl den Kurzsichtigeren sich keines mehr als das epicnraische. Epicur lehrte, das höchste Gut sei in der Glückseligkeit, der Hauptbcstandthcil der Glückseligkeit aber, ja das höchste Gm selbst sei die Lust (d. i. deren Befriedigung). Die Bestandtheile des höchsten Gutes bestehen also in den verschiedenen Arten der Lust, die jedoch nnter einander per- 5) Vgl. Alterth. 1.2) 3. L G) Vgl. Frankel liefe den Einfluß der palästinischen Exegese S. 23.2 ff.