Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-03-01 · Heft 6 (März 1852) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 6 (März 1852)
Article
Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
Date
1852-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829140-2851727--00270-2851748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lieber de» Lapidarstyl der taünndischcn Historik. 211 dem ganzen Volke—nicht einigen Bevorrechteten — soll die Lehre unmittelbar nahe sein. Dieses beabsichtigten jene Männer. Sie vertraneteir der ganzen Gemeinde die Lehre an, erweckten Lehrer, die sogenannten Soferim (wie an einem anderen Orte nachgcwiesen werden wird). Aber weil nun eine geschloffene Kaste ausgehört so mußte auf der andern Seite Sorge getragen werden vor Zersplitterung, daß nicht etwa durch verschiedene Auffassung die Lehre Beeinträchtigung erfahre; daruni der dritte Spruch: ״macht einen Zaun um die Lehre". Hier wird eine Fixirung angestrebl, auf daß das eigentliche Gut unangetastet bleibe. Und daß die Männer der großen Synagoge ihre Aufgabe, vorzüglich in Beziehung znm zweiten Spruche, glücklich gelöst lehrt der Spruch Simon des Frommen: ״Alis drei Dingeil beruhet die Welt: ans der Lehre, auf dem Opfcrdicnst, und auf Ausübung der Licbcspflichten" (Abot 1, 2). Dieser Simon wird bezeichnet als ״der Nest der großen Synagoge" (das.), der Letzte dieser in einem großen Zeitraum wirkenden Versammlung; er lebte nach talmudischeil Quellen zur Zeit der Jnvastoli Alexanders, nach Josephus einige Zeit später. Die große Synagoge war dem Priesterthume gegenüber getreten, und hatte eine Allgemeinheit der Lehre bewertstelligt. Hierdllrch mochte aber nicht nur Pricsterthum sondern auch Priesterdicnst, d. i. die Opfer, viel in den Angeil des Volkes verloren haben, was für eine Zeit wo Opfer noch den Ausdruck des andächtigen Ergusses bildeten- und der Tempel, der Sitz wo die Gottheit thronte, als der Mittelpunkt des StaatSlcbens betrachtet wurde, nur von nachtheiligen Folgen begleitet sein mußte. Simon suchte daher das Gleichgewicht herzustellen: er räumt zwar gleich seinen Vorgängern der ״Lehre" deil ersten Rang ein, reihet aber unmittelbar an sie den ״Opscrdienst": sie beide bilden die Grundlagen der Welt, des Bestehens der Gesellschaft, des Staates. Und daß Simon die Opfer in ihrem höheren eigentlichen Sinne aufgcsaßt beweiset sowohl die bekannte Erzählung voll denl Nasiräerjüngling lNasir 411׳), als auch das was er als die dritte Grundsänke hinznfügt ״Ausübung der Liebcspflichten". Die große Synagoge richtete i» jenem zweiten Spruche ihr Ziel auf die Theorie: das Stndinni der Lehre soll allgcniein verbreitet werden; ein dringendes Bedürfnis;, die Erhaltung des Gesetzes und des Glaubens trieb sie hierzu. Simon suchte auch der religiöstil Praxis Geltung z>l verschaffen: er empfahl die etwas hcrabgekommenen Opfer wieder an, aber die Praris soll sich nicht ans sie beschränken sondern sie soll einen anderen Schwerpunkt in der Ansnbnng wohlthätiger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.