Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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208 lieber beit Lapibarstyl bei; talmudischen Historik. Ulls für einen Zeitraum über den die srüheren jüdischen Chronisten (R. Scherira und Abraham den Daud) schweigen oder nur karge Berichte geben, an nichtjüdische Scribente» und einige Deerete der römischen Kaiser halten müssen. Der Einseitigkeit und den oft durch Religionshaß getrübten entstellten Nachrichten dieser Scribcnten wird der aus den eigentlichen Quellen des Judenthums erkannte Geist der Geschichte gegenüber gehalten werden müsse», um an ihm nach genauester Sichtung das Eigentliche der Begebenheilen sestzustellen. Aber auch hinsichtlich der Facta brauchen wir uns nicht unbedingt den Profanscribenten in die Arme zu werfen: ein tieferes Eingehen in den kurzen Styl des Talmuds wird uns manche hi« sterische Andeutungen finden, lasse». Denn gingen auch äußere Ereignisse unbeachtet vorüber, so ließen sie doch zuweilen manche Spur in dem religiösenLebeu selbst znrüch insofern durch sie manche, neue Normirung bedingt wurde. Was überhaupt ins Bereich der Religion eingriff konnte, nicht mit Stillschweigen übergangen werden: das Buch Megillat Taanit bringt eine Art Kalender über die Halbfeiertage,, die zur Zeit des Tempels (und einige Zeit nachher) zum Andenken an rettende Begebenheiten gefeiert wurden. Der Zweck des Buches, ist zwar ein religiöser, die Halbfeiertage anszuzählcn; aber cs werden natürlich diese Begebenheiten, wenn auch in höchst gedrängtem kurzem Style erwähnt. Derartige religiöse Beziehungen finden sich auch in den talmndischen Schriften; und wird ein richtiges Verständniß mitgebracht, so werden sich neue historische Quellen öffnen, lind nicht Normen allein, auch Sprüche und Sentenzen werden manchen Aufschluß über historische Personen und Zustände geben. Wir wollen nun; hier manche Versuche machen, die jedoch die Grenzen eines Aufsatzes nicht übersteigen sollen. Ueber den Zeitraum von Nehemia bis auf die Maccabäer- Periode herrscht Schweigen, das vorzüglich bis zum Ende der Perserhcrrschast und dem Einzuge Alexanders in Palästina fast ganz lautlos ist: Wir nebmen keine Bewegung auf politischem, aber auch nicht auf religiösem Gebiete wahr: eine Versammlung frommer Männer hat bestanden, bekannt unter dem Namen der großen Synagoge (אגשי כנסת הגרולה); eigentliche Lehren haben sich jedoch, von ihnen nicht erhalten, und nur folgende drei Sprüche sind von ihnen bekannt: ״Seid vorsichtig im Gericht, stellet viele Schüler aus, und machet einen Zaun tun die Lehre" (Abot 1, 1). Diese drei Sprüche also die alleinigen aufbewahrten Lehrsätze der großen Synagoge! Und erwägt man noch hiezu, daß diese Männer nicht