Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-03-01 · Heft 6 (März 1852) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 6 (März 1852)
Article
Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
Date
1852-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829140-2851727--00266-2851744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

207 lieber den Lapidarstyl der talmndischen Historik. Der Talmud macht uns also mit dem Grundriß der jüdischen Geschichte bekannt, von ihm ans lernen wir sie, den Gedanken von dem sie getragen wird, verstehen. Geschichtliche, die Schicksale der Juden erzählende Facta enthalten die talmudischen Schriften wemger. Die feindlichen Stöße übten auf das eigentliche Leben keinen Einfluß: und so lange dieses unangetastet blieb schienen Druck und Verfolgung nur äußere Berührungen, über die die innewohnende religiöse Kraft erhob. Nur eine Verfolgung wird häufig erwähnt: die Hadrianischc. Denn diese schnitt tief ein, sie griff das Gesetz selbst an, untersagte dessen Ausübung, und was fast noch schmerzlicher, selbst das Studium des Gesetzes. Und liegt doch gerade in dem lebendigen Auffassen, in dem Wissen und Erkennen, in der Beschäftigung mit den religiösen Urkunden, in der Wissenschaft des Judenthnms, dessen mächtigster Reiz und Halt: ist sie doch die alleinige Bürgschaft für Bestehen und Dauer des Judenthums. Doch auch diese unglückliche Periode ging unter den folgenden vömischen Kaiser vorüber: der Strom nahm wieder seinen gegen außen minder oder mehr trüben, gegen innen ungestörten kräftigen Lauf, und so schweigen nun wieder die Berichte. Die Klage über die Mangelhaft tigkeit oder Unzuverlässigkeit der historischen Angaben des Talmuds zeigt daher von einem gänzlichen Verkennen. Der Talmud will nicht eine Geschichte geben; und wo eine spätere Zeit Manches über eine frühere berichtet, so trägt dieser Bericht deutlich genug das Gewand der Sage als daß man nicht diese Hülle erkennen und hinter ihr den moralischen Zweck einer Allegorie, oder des NebertragenS gegenwärtiger Zustände auf eine frühere Zeit und Erholung des Trostes aus ihr, oder ein Mnemosynon für Lehren und Sprüche wahrnehmen sollte. — Für Facta also werden wir n vieler Hinsicht ab; de» jüdischen Geist vermochte er vollends nicht zu erfassen. Wo er über Seelen spricht und uns deren Eigenthümlichkeiten erken- »e» lassen will, gewahrt man ein äußeres mangelhaftes Ncbeneinanderstellen einiger Lehrsätze; der Geist wird ganz vermißt. Auch scheint BaSnage ursprünglich mehr eine Kirchengeschichte als eine Geschichte der Juden im Auge gehabt zu haben; er hat viele Digressioncn über Kirche die an die Synagoge vergessen lassen. Jost's Geschichte der Jsracliicn ist bekannt: ob sie den Anforderungcn einer jüdischen Geschichte entspricht, wird i» einem anderen Aufsatze dieser Zeitschrift erörtert werde». Als unübertroffen stehet Zunz ln seiner meisterhaften ״Charakteristik" sZur Geschichte und Literatur S. 157 bis 214) da: in solchem Geiste muß das Leben der Jude» aufgefasit werden. Vgl. auch dessen Geschichte der Juden in Slcilien Gas. S. 484 ff.). Mit Vieler Achtung ist auch der Abriß S. Cassel's ״Geschichte der Juden", (Ersch und Gruber, Encyclopädie Tb. 1.27) zu nennen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.