Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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206 Vtckv den. Lapidarstvl der talmudischen Historik. wurzelt und von ihm durchdrungen ist; als Sitten, Gebräuche, Freuden, Erholungen vom religiösen Geiste angehaucht sind, die Religion sich bis in die äußersten Fasern seines Thuns und Lassens mit verwebt hat. Und welch eines zarten Anfassens bedarf es, um die losen Fäden aufzustnden, zu begreifen was dem Juden wohl und wehe that, einzudringen in seine Erinnerungen, in seine reit־־ giösen Herzschläge, in seine ihm thcuer gewordenen wehmüthigen Töne, in seine ihn aufrichtenden Tröstungen! Die innere Geschichte der Juden ist eine der erhabensten Elegien: nicht ein verzehrender, verzweifelnder Schmerz, nicht ein hoffnungsloses Ansgcben, sondern ein zartes, inniges, tiefgefühltes Sehnen, eine unzerstörbare lieberzeugung daß die Stunde der Aussöhnung doch endlich schlagen müsse, daß die Liebe des Höchsten eigentlich nie unterbrochen; und daher ist Alles theuer was an ihn mahnt und soll Alles mit ihm in Verbindung gebracht werden, und was von außen Trübes erfahren wird, drängt nur mehr zu ihm hin. Die eigentliche Quelle für jüdische Geschichte wird daher das Buch sein, das diese religiösen Empfindungen, Hoffnungen und Freuden aufbewahrt, das Len allmäligen Eiitwickeluugsgang und wie sich die Lehren des Glaubens ausgeprägt zeigt: wir wollen hierfür den allgemeinen Name»Talmud brauchen und verstehen hierunter Mischna, Beraita, Midrasch, Gemara u. s. w. Der Geist der in diesem Buche haucht und wehet ist die jüdische Geschichte : es darf nicht nach Einzelnheiten beurtheilt sondern es muß ein Gesammtüberblick gewonnen werden, und dann erhalten auch viele dieser Einzelnheiten ihr eigenthümliches Licht. Nur aus den talmudischen Schriften kann Ausschluß werden über die räthselhafte Erscheinung, über das im Juden sich einigende Gemüths- und Verstandeöleben: zersetzend, zernagend, bis in die kleinsten Nuance» eindringend und scheidend, und doch wieder ganz Gefühl und Gemüth, ganz Wärme und Hingebung, ganz Begeisterung und Glauben. Es wäre zu weitläufig dieses hier auseinander zu setzen, nachzuweisen, wie die Liebe zum Gesetze stets zu neuem Forschen aufforderte und der Verstand in diesem Forschen Nahrung fand; und wie nun wieder durch eine innere Wechselwirkung dieses Forschen jene Liebe crhöhete: auch dieses, der eigenthümlichste Zug in dieser Ethnographie, kann nur durch ein tiefes Eingehen, ein gleichsam Sichselbstversenken erfaßt werden^). 3) ES haben sich mehrere Schriftsteller an einer Geschichte der Juden dersacht, selten mit Erfolg. B asnage, der hervorragendste unter den christlichen Geschichtsschreibern auf diesem Gebiete, ging es an Kenntniß jüdischerQuelle»