Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Hefccr beit Lapidarstyl der talmndischcn Historik. MT nicht einen demüthigenLen Eindruck machen. Mist es zur ׳Ehre der Gegenwart gesagt werden, daß ihr eifriger Kampf für Gleichstellung nicht sowohl der Erlangung der Rechte als der Abwehr des beschämenden Gefühles, hinter seinen Mitbürgern wegen des Glanbens zurückzustehen, gilt; so dürfte vielleicht von der andern Seite ein leiser Tadel nicht zu unterdrücken sein, daß man diesem Gefühle zuviel einräumt, zu sehr eine Beschämung erblickt wo sie doch auf einer ganz andern Seite zu sinden ist. Die jüdische Vergangenheit trug in sich viel hohes Bewußtsein: sie wußte wofür sie kämpfte, was man in ihr angriff; darum setzte sie dem Angriffe Verachtung entgegen, richtete sich nicht nach dem was man von ihr hielt, sonder» sie hielt von sich selbst, hatte in sich eine höhere Selbstschätzung. Dieses innere Leben muß auch der Geschichtsschreiber begreifeu, muß sich in die Tiefen dieses Gedankens und dieses Selbstgefühles des jüdischen Volkes versenken, in sich selbst eine Begeisterung für ein Hohes finden, das ihn über jede äußere weltliche Rücksicht erhebt und ihn zu Opfern befähigt: nur so ist er berufen eine jüdische Geschichte zu schreiben, wird er nicht Geschichten, lose Aneinanderreihungen einzelner Vorfälle geben, die zuletzt doch nicht befriedigen, noch nicht den Aufschluß enthalte», wie das jüdische Volk eine Geschichte habe. Nur der Genius der Geschichte macht die Geschichte; utti> so wenig man sich von der Auskunft befriedigt fühlt : die Juden bestehen nur noch durch ihre Hartnäkkigkeit oder um Zeugniß für eine gewisse Thatsache abzulegen, eben so wenig genügt die kalte Auffassung, die, weil sie keines höheren Aufschwunges fähig, mit linkischer Hand einzelne Vorfälle und Sprüche zergliedert, und in ihrem geist- und gemüthlosen Anatomistreu Geist und Gemüth nicht aufznsinden weiß. Es bleibt, haben wir in Begleitung dieser Zergliederer die Geschichte durchgemacht, eine unbehagliche Leere zurück: man befragt sich wo hier die eigentliche Geschichte, und siehet sich rathlos nach dem Aufschlüsse um, da doch nicht abzusprechen, daß ein Großes, Höheres in der Geschichte des jüdischen Volkes walte. Aber es ist auch nicht in Abrede zu stelle», daß diese Geschichtsschreibung eine sehr schwierige Aufgabe sei. Die jüdische Geschichte hat nicht zum Ziele uns mit de» Thaten der Jude» — . sie weiß von ihnen keine welteingreifendeil zu erzählen, und sie sind auch nach der äußern Lage der Jude»! nicht von ihnen zu crwarten — sondern mit dem Leben der Inden bekannt zu machen: ihr eigentliches Ziel ist also eine Ethnographie. Aber dieses Leben will um so tiefer erfaßt sein als es durch und Lurch im Glauben 16*