Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 6 (März 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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204 lief fr beit Lapidarstyl der talmudischen Historik. weilen manches Volk nicht sowohl dem leiblichen Druck als dem geistigen Eindrücke des Uebermächtigen: die Ueberlegeuheit bringt ein niederschlagendes Gefühl in dem Unterliegenden hervor, das stch unwillkürlich mit Anstaunung des Siegers vermischt und i» ihm Hervorragendes, Großes entdecken läßt, das in dem Besiegten ein demüthiges Bewußtsein des eigenen Zurückstehens erweckt. Dieses demüthige Gefühl kannte der Jude nicht: durch das Bewußtsein welchen Gott er in sich trage und von welchem Gotte er getragen werde, wie jeder feindliche Angriff seinem Glauben, seinem Gotte gelte, über den es doch nicht Größeres geben kann, fühlte er sich stets geistig höher als feine Angreifer. Und hierzu kam noch der erhebende Gedanke, welch hohes Gut ihm dieser Vater gleichsam als Geschenk mit auf feine Wanderung gegeben. Durch die ihm gewordene Lehre konnte er sich höher denn seine Feinde dünken: mochten die Sieger Reiche erobern und ihre Waffen bis in die entlegensten Gegenden tragen, in sei» Reich konnte ihre Hand nicht cingrciseu: er hatte ein Gebiet wohin sich keine Gewalt erstreckte, und fühlte in sich die Ueberlegeuheit die der Besitz eines Höheren, Göttlichen über rohe Physische Kraft gibt. Der Jude fetzte mehr Verachtung als Haß seinen Angreifern entgegen: er fühlte sich verfolgt um das was seine Verfolger nicht zu würdigen verstanden: erkannte sich mehr einen Gegenstand des Neides als daß er Andere zu beneiden brauche. Und waren Jene von außen mächtig, so concentrirte sich ihm Macht, Ansehen, Ehrcnstellen, Genuß, Lohn in seiner Lehre: sie erfasse», in ihrer Erkenutniß fortschreiten war das Ziel dessen Erreichung die seligste Befriedigung gewährte. Einen neuen Gedanken ausfinden, eine Stelle der Schrift erläutern wurde als höhere, von der Gottheit für frommes Streben und Thun ertheilte Belohnung angesehen. ״Abime hatte fünf erwachscne gelehrte Söhne, aber wenn sein Vater kam so ließ er keinen von seinen Söhnen zur Thürc gehen, sonder» er selbst lief und öffnete seinem Vater die Thüre. Einst verlangte der Vater Wasser und er ging es zu holen. Als er zurückkehrte fand er den Vater eingeschlummert, und er blieb in gebeugter Stellung vor ihm stehen. Zum Lohne hierfür fand er die Erklärung eines schwierigen Verses." 2) wo ein Volk aus solche Weise sich selbst zu genügen, wo cs in sich höhere Güter und höher» Lohn zu finden weiß, da können äußere trübe Erfahrungen wohl einen schmerzlichen aber 2) Kidduschin 31V.