Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Jüdisch-geschichtliche Studien
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 201 jüdischen Nation, mit der Inschrift: fisci jud'aici calumnia sublata, die Anklage zur Konfiskation der Güter wegen des jüdischen Bekenntnisses ist aufgehoben. Je greller diese Milde mit der Harte gegen die Juden unter Nervals Vorgängern contrastirt, desto sicherer ist eine günstigere Stimmung in Bezug aus die Juden an Nerva's Hofe anzunehmen. Von wem anders, als von diesen vier genialen Persönlichkeiten konnte ein solcher Einstust erwartet werden? Man mag nun von dieser Conjektur halten, was man wolle, es ist nicht zu verkennen, daß die Reise der vier Tanaiten einen apologetischen Zweck gehabt habe. Wenn die Neise der Tanaiten nach Nom zur Zeit Domitians und bestimmter zur Zeit der Hinrichtung des Clemens, ihre Nichtigkeit hätte, so könnten wir an dieser Neise einen chronologischen Schlüssel haben für das zweite Tanaitengeschlecht, das an Geschichtsstoff so reich, an chronologischer Bestimmtheit so dürftig ist. Nehmen wir an, daß R. Gamaliel und seine Kollegen N. Josua, R. Akiba und R. Eliesar b. Asaria um die angegebene Zeit, d. h. zwischen 95 und 96 in Rom gewesen sind: so hätten wir zuvörderst ein Datum für den Anfang der selbstständigen Thätigkeit N. Akiba's. Sobald nämlich N. Akiba diese Reise in Begleitung der angesehensten Tanaiten mitgemacht hat, so muß fein Ruf als selbstständiger Lehrer bereits begründet gewesen sein. Nun sagt uns eine unverdächtigte Nachricht, daß N. Akibüs Ansehen erst nach dreizehnjährigem Studium in der Schule N. Eliesars und R. Josuas begonnen hat. Ziehen wir 13 Jahre vom Jahre 95 ab, so würde der Anfang seines Studiums spätestens ins Jahr 82 fallen. Es würde aber daraus folgen, daß ums Jahr 82 seine Lehrer N. Josua und R. Elieser bereits selbstständige Schüler gehabt haben, also muß wiederum ihr Lehrer N. Jochanan b. Saccai bereits verschieden gewesen sein, sonst würden ihre Schüler nicht eigene Schulen gebildet haben. Wir würden also daraus das Resultat gewinnen, daß N. Jochanans Jnterimspatriarchat nicht über das Jahr 80 der gewöhnlichen Zeitrechnung hinausdauerte, daß er also nach der Tempelzerstörung hochstenS 10 Jahre fungirte. — Auch von einer andern Seite bestätigt sich diese chronologische Schlnßreihe. Die Tradition gibt N. Akibas öfsenlicher Thätigkeit 40 Jahre, da er nun nach dem Falle Bithars, (oder doch noch vor dem Falle) hingerichtet wurde, 130 —135, so muß seine Wirksamkeit, d. h. Selbstständigkeit in den neunziger Jahren begonnen haben. Weiter können wir folgern aus dem Umstande, daß der älteste College R. Josuas, des Patriarchen Schwager, ich meine N. Eliesar b. Hyrkanos weder bei der Absetzung und Wiedereinsetzung R. Gamaliels, noch bei dieser Reise vorkömmt, zwei wichtige Facta, ich sage,