Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Jüdisch-geschichtliche Studien
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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200 Wissenschaftliche Aussätze. Der Zusammenhang scheint so zu sein. Domitian, der mit der Graufamkeit und dem Geldgeiz seines Vaters noch Argwohn verband, gestachelt von Angebern, daß die Juden im Sinne hätten, einen Nachkommen ans dem Hause Davids zum Könige auszurusen^), wollte sich durch eine allgemeine Vertilgung des jüdischen Stammes der Sorgen entledigen. Clemens und andere Judenfteunde mochten gegen diese Maßregel Schritte gethan haben. Sie mochten den Vertretern des Judenthums Nachricht gegeben haben von der Gefahr, die über den Häuptern des jüdischen Volkes schwebte. Die vier Tanaiten beeilten sich, Personlich die Verdächtigungen zu widerlegen, wodurch Domitian gegen die Juden eingenommen war. Sie scheuten es daher nicht, die Reise nach Nom in der ungünstigsten Jahreszeit anzutreten, um nicht zu spät zu kommen. Sie mochten eine Art Schutzschrist für ihr Volk uni> ihr Bekenntniß dem Kaiser überreicht haben, um ihm und seinen Rüthen eine bessere Meinung von dem Judenthume beizubringen. Auch die Kirchenväter haben durch Apologien an den Kaiser Verfolgungen abzuwenden gesucht. Mit Clemens in Verbindung mochte es ihnen gelungen sein, die beabsichtigte Verfolgung zu vereiteln. Clemens, der sich durch Verwendung für die Juden zu sehr als Anhänger verrathen haben mochte, bot dem argwöhnischen Kaiser das Mittel, sich seiner zu entledigen. Er wurde des Atheismus, d. h. der Anhänglichkeit an das Judenthum angeklagt und verurtheilt. — Man kann überhaupt nicht umhin, anzunehmen, daß in der öffentlichen Meinung eine Umstimmung zu Gunsten des Judenthums eingetreteu sein muß. Kaum war Domitian ermordet — ein Jahr nach Clemens Hinrichtung — so beeilte sich sein edle^ Nachfolger, ,Coccejus Nerva, die judenfeindlichen Decrete wieder anszuheben. In der kurzen Zeit seiner 15 Monate dauernden Negierung blieb ihm noch Zeit, an die Juden zu deuten, den jüdischrn Fiscus aufzuheben, und Jedem sreizulaffen, sich zum Judenthume zu bekennen, ohne des Atheismus angeklagt zu werden^). Dieser Akt muß so bedeutsam geschienen haben, daß eine Denkmünze geschlagen wurde, denselben zu verewigen. Auf dieser Münze findet sich auf der einen Seite das Bild des Kaisers Nerva, aus der andern Seite ein Palmbaum, Sinnbild der 8) Man nehme dazu die Nachricht des Annalisten Hegestppus: Domitian habe Nachforschungen anstellen lassen über die Nachkommen Davids, die sich auch über die Familienglieder Jesu erstreckt haben sollen. 9) ovt äöeßeCagj ovt 0Iovduixov ßCov xuzuttid'ou, wag tfvr£%ojqifis (o Nigßa Dio Cassius 67. 11.) Neber Nerva's jüdische Münze giebt jede Sammlung der Kaisermünzen Auskunft. Siehe oben S. 194Anm. 8, daß das Aufheben des fiscus judaicus nicht bloß zu Gunsten der des Judenthums verdächtigten Römer, sondern auch zu Gunsten der Juden geschehen sein müsse.