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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-02-01 · Heft 5 (Februar 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 5 (Februar 1852)
Article
Jüdisch-geschichtliche Studien
Date
1852-02-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 199 und daß dieser Senator eben wegen seiner Anhänglichkeit den Tod erlitten hat. Auf den ersten Blick wird man in diesen dieselbe Thatsache bemerkt haben, die Dio von Clemens und seiner Frau Domitilla aufbewahrt hat; man wird also btc binäre Combination von (A—IZ) — (0—v) nicht abenteuerlich finden; die vier Notizen sind Bruchstücke einer und derselben Thatsache, die wir nothwendigerweise zusammensügen müssen. Es wäre auch sonst durchaus auffallend, daß die Dionische Nachricht von hochgestellten Anhängern des Judenthums an Domitians Hofe ohne Nachhall in der talmudischen Tradition geblieben sein sollte; andererseits würde die Lalmudische Nachricht von hochgestellten Prosclyten Ln derselben Zeit ohne geschichtlichen Boden in der Lust schweben. Hat somit die Erzählung des Midrasch und des Talmuds ihre historische Berechtigung nub Begründung gesunden: daß nämlich der Clemens des Dio identisch sei mit dem Kleonimos des Talmuds, auch Ktia bar Schalom genannt; so bleibt uns nur noch übrig, näher aus den Inhalt dieser Erzählung einzugehen. Muß man auch einräumen, daß diese Berichte sagenhafte Zusätze und Ausschmückungen enthalten, wie man es nicht anders erwarten kann von mündlichen Ueberliescrungen von Mann zu Mann, von Jahrhundert zu Jahrhundert, zumal über einen Stoff, der den Ueberlieferern nicht das höchste Interesse war: so wäre es anderseits durchaus leichtfertig, den ganzen Inhalt dieser Nachrichten in das Reich der Sagen zu verweisen. Durch dieses Verfahren, Lalmudlsche Erzählungen oder Andentungen, die sie sich nicht — fügen wir hinzu aus Mangel ausreichender, historischer Kenntnisse — erklären konnte, mit eben so viel Arroganzals Leichtsinn, für Fabeln, Mythen, rabbinischen Aberwitz zu verwerfen: hat sich die hyperkritische Schule, deren Veteranen zu spät Neue fühlen, selbst der Mittel beraubt, eine pragmatische jüdische Geschichte zusammenzustellen, oder auch nur eine richtige Anschauung von den Zuständen des jüdischen Volkes zu liefern, sie hat uns eine jüdische Geschichte zugeschnitten, die weder jüdisch, noch Geschichte ist. In jeder noch so sehr entstellten Erzählung der Talmude und älteren Midraschim ist ein geschichtlicher Grundkern enthalten, der da, wo ausführliche Berichte fthlen, sorgfältig ermittelt werden muß. Wenn wir nun die Züge festhalten, welche die Stellen A und B gemeinschaftlich haben, nämlich die Verbindung der vier Tanaiten mit dem Consul Clemens, dessen Aufopferung zur Rettung der Juden und dessen Vererbung seines Vermögens an dieselben: so haben wir daran einen Wink für den Neisezweck derselben nach der Welthauptstadt. War ihre Reise, wie nachgewiesen, nicht eine zufällige beliebige, so war ihr Zusammentreffen mit der Hinrichtung des Clemens ebenfalls nicht zufällig.

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