Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Bilder aus dem Leben und Wirken dcc Rabbiner. 173 cr vielmehr durch strenges Halten auf Tradition vor Cectirerei zu wahren; wie von ihm gerühmt wird, daß er nie etwas sagte, was er nicht als Tradition empfangen hatte. (Succa 28.). So erzählt auch N. Josua, sein Schüler, von ihm empfangen zu haben, als eine Tradition bis auf Mose, daß in Zukunft selbst Elias nichts an dem Gesetze ändern wird (Edujot 8, 7), vielleicht mit Beziehung auf das Christenthum (vgl. Jadajim 5, 3 u. a. a. O.). Zugleich aber suchte er die Tradition, um den Sadducäern entgegen zu arbeiten, durch die Schrift zu begründen (Sota 27) und betrübte sich, wenn es ihm nicht gelang. Aber weit entfernt, das Gesetz als eine starre Form hinzunehmen, suchte er überall den Geist der Sittlichkeit hervorzuheben. So nimmt er (Kelim 17, 16) Anstand, sich über die levitische Neinigkeit mancher Instrumente, deren sich die Unredlichen zum Betrüge bedienten, auszusprecheu. ״Wehe, wenn ich sie erwähne" ruft cr aus, (die Betrüger könnten davon Mißbrauch machen), ״wehe wenn ich sie unerwähnt lasse" — Bezeichnend für seine wahre Gottesfurcht und seinen Haß gegen die Heuchelei ist auch, daß, als er von seinen Schülern gefragt wurde, (Baba Kamma 79), warum nach der Schrift der Dieb härter bestraft würde als der Räuber, er antwortete: Dieser hat den Schöpfer wenigstens dem Menschen gleich geachtet, jener aber schätzt die Menschen höher als Gottl«) Daselbst spricht cr sich auch über die Ehre des Menschen aus, die auch im Verbrecher berücksichtigt werden müsse, da die h. Schrift auf den Diebstahl eines Lammes, wenn es vom Diebe geschlachtet wurde, vierfachen, aber auf den eines Ochsen fünffachen Ersatz setzt, weil jenes vom Diebe durch die Straße getragen werden müsse, und diese Verletzung der Ehre dem Diebe mit in die Strafe eingerechnet wird. So äußert er sich über die Menschenwürde und verachtet denjenigen, der seine Freiheit verkauft. ״Weshalb wird dem hebr. Knecht, der sich bis zum Zobel verkauft, das Ohr gezeichnet? Das Ohr hat auf Sinai gehört: ״Die Kinder Israel sind meine Knechte," aber nicht Knechte der Knechte (der Menschen) und dieser hat dennoch seine Freiheit vcrkauft, er soll gezeichnet werden" (Kidduschin 22). Erkenntniß der Lehre und Liebeswerke achtete er fast noch höher, als Gesetz und Opfer und so lehrte er's seinen Schülern. Wehe uns, ruft er einmal ans (Chagiga 5), die h. Schrift hat uns in der Sittlichkeit die kleinste Verletzung gleich der größten an- 6) Dazu stimmt ganz die Grundlehre, welche er seinen Schülern auf dem Sterbebette gab: Möge nur Eure Furcht vor Gott der vor Menschen gleichen! Berachot £S, wo auch die Erläuterung.