Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner. 167 Rabbi Jochanan bei! Saccai aus Jerusalem lebte etwa 48 vvr — 72 nach der üblichen Zeitrechnung ff und sah demnach den mit der Zerstörung des Staates endeuden Ausbruch innerer Zerrüttung und äußerer Gewalt mit eigenen Augen. Er überlebte drei Synedrial-Präsidenten: N. Simon Sohn des Hillel, N. Gamaliel den Aeltern und Rabbi Simon bcn Gamaliel den Aeltern, und bewirkte noch »ach dem Sturze des Staates und der Zerstörung des Tempels die Erhaltung des jünger» N. Gamaliel. Schon unter manchem dieser Syucdrial-Präsidentcn scheint er nicht nur als Lehrer sondern auch als entscheidende Religionsbehörde eine bedeutende Stelle eingenommen zu haben, da sehr wichtige Veränderungcn im Gesetze noch während des Bestehens des Tempels, also unter den Augen des Nasi, von ihm ausgegangen sind. So hat er, nach Mischna Sota 9, 9 das biblische Gesetz des Fluchwasscrs für eine der ehelichen Untreue verdächtige Frau abgeschafft, angeblich weil die Ehebrecher zu jener Zeit znnahmcu und die Probe nur bei der Reinheit des Mannes vorzuuchmen sei. In der That wollte schon, wie auS Edujot 5, 6 hcrvorzngehen scheint, Akabia bcn Mehallalcl, älterer Zeitgenosse des Hillel, den Gebrauch des FlnchwasserS beschränken; aber wie hatte Rabbi Jochanan die Macht dazu ihn aufzuheben? Wir können uns dies nur auf folgende Weise erklären. Nach dem Tode Hillel's war der vielgepriesene N. Jochanan, Schüler Hillel's und Schamai's ff, der hervorragendste Mann seiner Zeit und wohl der Würdigkeit nach dem Simon beu Hillel vorzuziehen, von welchem kaum mehr erwähnt wird, als ein Spruch: Abot 2, 17 ff. Dennoch war man cs der Dankbarkeit gegen den hochverehrten Hillel und der Rücksicht auf die Hervdacr, die seinem Hause wohl wollten, schuldig, dessen Sohn als Nasi zu 5) N. I. 0. 25. wurde nach Talmud Ne sch Haschana 31 und Synhcdr. 41 120 Jahre alt und sungirte nach Ne sch Haschana 3I!>. wo 9 Beschlüsse ausgezählt werden, die R. I. b. S. nach der Zerstörung dcS Tempels faßte, wenigstens 2 Jahre nach derselben als Naß: was obiges Resultat im Allgemeineu begründet, wenn auch die 120 Jahre, die sich ebenso bei Hillel und 8!. Akiba finden, eine runde Zahl sein können. Jedenfalls muß er ein Alter von über 100 Jahre erreicht haben. Vgl. Gitiin 33. Abot N. Nathan 4, 0) S. Abot 2, 8 vi, Bab. Batra 134. Sncca 28. 7) Wir glauben, daß שב־עון בנו das. Simon bcn Hille! sei, der diesen Spruch ״Stets wuchs ich unter Weisen ans und fand nichts Besseres für den Menschen als Schiocigen ff." mit Bezug auf die heftigen Streitigkeiten der Schüler Hillel's und Schamai's sprach: die IMe Mischnah ist dieser 17tcn nachzusehcn. Die Beziehung aus 8t. Simeon b. Gamaliel d. Aeltern, ipic St. L. Heller das. will, ist wohl nicht ganz einleuchtend.