Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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166 Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbiner. bessere und festere, ans ihr selbst entnommene Stützen zu geben, aus daß ste äußerer Macht nicht nur entbehren könne, sond'ern ihr auch zu trotzen im Stande sei. Dieses Ziel erstrebten ste dadurch, daß sic 1) ideales Streben, religiöse Begeisterung und tiefe Sittlichkeit als Hanptmomcut des Judenthums hervorhoben und diese lehrten und mit bcwundernswerthcr Selbstvcrläugnnng übten; 2) streng auf Autorität der obersten Religionsbehörde hielten, wodurch religiösen Spaltungen vorgebcugt, Achtung vor dem Gesetze und Einignng in demselben erzielt werden sollte; 3) auf gegenseitige Hochachtnng und Ehrerbietung der Lehrer hielten, die anch selbst dann noch beobachtet wurde, wenn das Interesse der Neligiouseimgkcit, das ihnen über Alles ging, harte Maßregeln gegen eine» Rabbi erheischte;׳ch und endlich 4) indem sie aus der einen Seite durch strenges Festhalten an der Tradition Neuerungen im Gesetze den Eingang absperrten, und andererseits durch rationelle Stützen der Tradition in der heil. Schrift nach gewissen Kategoricen der Exegese (מדות), jener eine bereitwillige Annahine vorbereiteten.3 4) Dieses Strebe» zeigt sich uns später als ein vollendetes System, und sein Segen wird Jedem klar bei Vergleichung der nachhcrigen ReligionSgemeinden der Inden mit dem frühern israelitischen Volke: dieses aus eigenem Boden unter einem Könige ans seiner Mitte, schroach und jcdein fremden Einflüsse preisgegeben; im Angesichte des Tempels demHcidenthume huldigend: jene iuihrer Zersplitterung nach allen Seiten vereint; ohne gemeinsames Vaterland, ohne eigenen Herrn und Herrscher, gedrückt von Tyrannei und Volkshaß und durch moralisch stark und mächtig, von gemeinsamer Begeisterung für Religion und Sittlichkeit bis zur srcndigeu Aufopferung des Lebens erfüllt; von einer elastischon Kraft des Geistes beseelt, die nach jedem Drucke nur mit erhöhctem Schwünge empvrschnellt. Dies war die Wirkung des rabbinischcn Strebens während der Zeit des zweiten Tempels und nach der Zerstörung desselben. In die Uebcrgangsperiode aber zu der letzteren Zeit fällt das Leben des Rabbi Zochanan ben Saceai, des edlen Weisen, weshalb wir mit ihm den Versuch beginnen, in dem Leben und Wirken der Rabbiner die oben ausgesprochenen Grundzüge darzulegeu. 3) So wurde Akabia, einer der gefeiertesten Gelehrten und der edelsten Charaktere seiner Zeit, unter einem Hiliel, dessen liebenswürdiger, bescheidener Charakter sprnchwörtlich wurde, nur aus gebieterischen Gründen der Autorität der Neligionsbehörde, nach vergeblichen, gütlichen Versuchen, in Len Bann gethan. Sein Name blieb aber hvchgefeierc und verehrt. Edujot 3, 6. 4) Vergleiche den Aussatz von V1-. Greif! über Hillel im Lien Hefte dieser Zeitschrift.