Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Bilder ans dem Leben nnd Wirken der Rabbiner. 163 pcl war 2); so wie auch im Tempel neben den Opfern heilige Gesänge in feierlichen Chören unter dem Schalle der Musik ertönten. Und das Gebet wurde durch Anordnung und Ucberwachung der ״großen Synagoge" nicht minder hochgehalten und gepflegt, als die Opfer durch die Priester. Auch versäumte man nicht, in den Synagogen durch Vorlesung der heil. Schrift und Vorträge über dieselbe zugleich die Belehrung zu fördern. Eben so durchdrang der mofalsche Geist die Grundzüge der Gerichtspflege, die durch einen Es r a, von den Rabbinen der zweite Moses genannt, gestützt durch den starken ArmdesNehemia, neu gestaltet wurde. So sehr sich daher die Juden ihrer Schwäche und Abhängigkeit bewußt waren, und so wahr Abarbauet sagt, daß die Zeit seit der Zerstörung des ersten Tempels bis auf die seine als ein ununterbrochenes Exil^ anzusehen sei: so sehr freueten sie sich mit Recht über die geistigen Errungenschaften, um welche cs ihnen zumeist zu thun war. Der Begeisterung jener Männer der ״großen Synagoge" und ihrer Nachfolger verdanken wir die Sammlung, Erhaltung und Auslegung der heil. Schrift, und ihrem energisch praktischen Wirken, daß die Religion in Saft und Blut des Volkslebens übergegangen ist. Sie waren cs, die den Blick des Volkes vom Streben nach weltlicher Macht ab- und zu religiös geistiger Erhebung hinzogen. Auch der Kampf der Makkabäer erstrebte nicht weltliche Macht, sondern die Helden setzten das Leben für die Religion ein, ohne welche jenes für sie keinen Werth hatte; und hat die Gunst der Umstände ihnen auch äußere Macht vergönnt, so gereichte dies der Religionsentwickelung mehr zum Nachtheile als zum Nutzen. Denn während die verschiedenen Ansichten über Religionsauffaffung unabhängig von der Politik, vielleicht friedlich ncbeneinandergehcnd einander gegenseitig ergänzt, beschränkt, aufgeklärt, und in eine Harmonie sich aufgelöst hätten, arteten sie durch Einmischung des politischen Strebens in schroffen Partei- und feindseligen Sektenhaß aus, der. wie gewöhnlich, mit dem gänzlichen Ruin der Gesammtheit durch den allgemeinen Feind endete. In der That trat eine feste religiöse Entwickelung durch Schulen erst unter Hillel in größerer Kraft hervor, weil unter dem herodianischen Römerregiment weder die eine noch die andere Partei im Judenthum zur politischen Geltung gelangen konnte. Je mehr aber seit Hillel die Rabbiner die äußern Stützen des Judcuthnms verfallen sahen, je mehr alle politischen Anzeichen den herannahenden Sturz verkündeten, desto eifriger war ihr Streben, der Religion 2) Bgl. hierüber Tanalt 4. 1. 13