Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1852)
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1852-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829139-2851663--00209-2851681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 Bilder ans dem Leben nnd Wirken der Rabbiner. lcbcns,. gebunden an den Boden, ans dem es lebte. Das Volk konnte, weil es eben seine Religion nicht nach ihrem Geiste, sondern nur nach äußern Formen kannte, oft Heidenthum mit Mosaismus vermischen nnd erstercs unter den Formen des letztem üben*-. Selbst die göttlichen Worte der Propheten, die bald im donnernden Zorne ertönten, bald in der rührendsten Wehmuth sich vernehmen ließen, mahnten vergebens der trotzigen Macht heidnisch gesinnter Gewalt- Haber gegenüber, deren Willkür die Stelle des vom Volke nngckannten, mosaischen Gesetzes vertrat. Dennoch erhielt sich, nach dem Plane der Vorsehung,—durch die Sonderung von andern Völker», dnrch den Bestand von Tempel, Priestern und Opfern, und durch die unermüdlich belehrende nnd mahnende Stimme der Propheten, sowie durch einige fromme Könige unterhalten — im Allgemeinen, wenn auch bei der Waffe unentwickelt, das Bewußtsein von einer göttlichen Offenbarung dnrch Moses, welches in eine reifere Zeit hinüber gerettet wurde. Ganz anders gestaltete sich dagegen das zweite Staatsleben der Inden nach dem Exil. Je abhängiger nnd dürftiger ihre äußere Stellung als Volk war, mit desto freieren und gewaltigeren Schwingen erhoben sie sich als Ncligionsgcmeinde. Die Erfahrung hatte sie belehrt, daß sie nicht im Boden, nicht im Tempel, nnd Opfern und Priestern allein, sondern vorzüglich im Religionsgeiste, in Rcligionserkenntniß und Begeisterung ihre Hauptstütze zu suchen und zu finden haben, nach den prophetischen Worten: ״Nicht durch Heer nnd nicht durch Macht, sondern dnrch meinen Geist" (Zach. 4, 6). Die obersten Religionsordner ließen cs ihre Sorge sein, durch fleißiges Lehren und durch Vervielfältigung der heil, Schrift deren Erkenntniß zum Gemeingute zu machen, und dadurch das Volk für seine Religion zu begeistern: und Maleachi, der letzte Prophet, war nach der Meinung der Rabbiner zugleich der erste Rabbi, wenn man den Titel anticipiren darf, der im Verein mit Esra und der von ihm gestifteten ״großen Synagoge" für Belehrung des Volkes (העמידו תלמידים הרבה) und für Institutionen, durch welche die Religion das Leben durchdringe (ועשו מת לתודה), sorgte. Es erhoben sich neben dem hochverehrten Tempel aller Orten Synagogen, nnd während das ganze Volk durch seine Repräsentanten (אנשי משמד) im Tempel Vertretung fand, betete es in den Synagogen mit den dem Gottesdienste obliegenden Männern (אנשי מעמד) und sprach die frommen Gefühle aus, deren Symbol der Opserdienst im Tem- Vergl. Frankel, der gerichtliche Beweis S. 34 u. 35 u. Anmerkungen.