Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1852)
- Article
- Jüdisch-geschichtliche Studien
- Date
- 1852-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829133-2829138-2851610--00202-2851655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wissenschaftliche Aussätze. 159 römische Legionen und römische Schwächungspolitik unterstützt, durch Gewalt und Schlauheit den Hasmonären das Scepter entwunden und beiden Parteien auf den Nacken getreten hatte, vereinigten sich Sadducäer und Pharisäer zum gemeinsamen Hasse gegen Herodianer nnd Römer; jetzt erst konnte die Streitfrage über die soserischen Traditionen eine Schulfrage, d. h. eine motivirte, wissenschaftliche werden. Hillel war es nun, der diese Frage in die Hand nahm, und durch eine eigenthümliche Behandlung scheint er es darauf angelegt zu haben, ihr die Gunst ihrer bisherigen Gegner zuzuwenden. Schon a priori müßte man zugeben, daß, indem den soserischen Halachas eine biblische Unterläge gegeben wurde, sie eben dadurch an Autorität und Allgemeingültigkeit gewinnen mußten. Indem Hillel also die sieben Herleitungsforweln einzuführen suchte, war er nur bestrebt, die streitigen soserischen Halachas in biblische Gesetze umzuwandeln und sie dem Bereiche der Parteiung zu entziehen. Das eben will die obenangeführte Tosistaerzählung sagen: Hillel habe vor dem bethyrenischen Synhedrium seine sieben Formeln vorgetragen; aber sie wurden nicht angenommen. Daraus wandte er einige davon aus den praktischen Fall der Sabbatpesachfrage an: aber sie fanden eben wegen ihrer Neuheit keinen Beifall, so daß er sich für den Augenblick ebenfalls in die Umstände schicken mußte, zu einer trocken traditionellen Halacha seine Zuflucht zu nehmen. Dann aber an die Spitze des Synhedrimns gestellt, suchte er den Formeln, d. h. der Herleitung traditioneller Halachas aus dem Schrift- Worte immer mehr Geltung zu verschaffen, — und dieses Moment wurde ein Kriterium seiner Schule im Gegensätze zur gegnerischen Schule Schawai's. Faßt man endlich die Differenzpunkte dieser beiden für die Gestal- Lung des jüdischen Lehrbegriffs so wichtigen Schulen schärfer in"s Auge, so wird man finden, daß sie aus׳ drei verschiedenen Gruppen bestehen, die innerlich und principiett keinen Zusammenhang mit einander haben.— Die erste Gruppe bestehet aus reinen Ansichten und Definitionen von halachischen Objekten, die sich zumeist auf Maßbestimmungen beziehen, z. B. ob eine einzige Reihe von 5 Weinstöcken schon ein Weingarten heißt, oder ob zwei Reihen nöthig sind. Bei dieser Kategorie verfährt die schamaische Schule eben so oft erleichternd, als die hillelsche Schule erschwerend; darin besteht also nicht die Grundeigenthümlichkeit beider Schulen. — Die zweite Gruppe besteht aus den Präventivmaßregeln, um der Uebertreiung eines biblischen Gesetzes vor- 3) Von der Art sind die streitigen Halachas der zwei Schulen über שידה רובע עצמוח פן העצמוח או פן הגויה (Kelim xyiii.) כפדדת בפנים או בחוץ Nasir VII. und mehrere in Edujot angeführte.