Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1852)
- Article
- Schutzschrift des Josephus Flavius gegen Apion
- Date
- 1852-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Schutzschrist des Josephus Flavins gegen Apion. 129 Die andere» Gesetzgeber pflegen dieses nicht zu beachten, und daher sind auch die Meisten nm so weiter entfernt von dem Leben nach den einheimischen Gesetze», als sic sie fast nicht kennen, und wenn sic sich gegen sie vergehen so müssen sic erst von Anderen belehrt werden, daß sie sich vergangen haben. Und selbst Jene die die höchsten und vorzüglichsten Stellen einnehmen bekennen ihrcUn-- wisscnheit, und berufe» daher Gesetzeskundige zur Mitverwaltnng. Bei nnS aber, wen man über die Gesetze befragt, er wird hierüber fast besser Bescheid als über seinen Namen geben. Denn wir erlernen sie gleichsam mit unserer ersten Empfindung, und haben sic in unserer Seele cingegraben. Daher selten Jemand der sie übertritt, und es kann kein Vorwand für Straflosigkeit anfgefunden werden. 19. lind dieses ist die vorzüglichste Ursache der unter nnS Herrsehenden bewnndernswerthen Einigkeit. Wo man eine und dieselbe Meinung über Gott hegt, und weder in Leben noch in Sitten sich Einer von dem Andern unterscheidet, da zeigt sich die.schönste Uebercinstimmnng in den menschlichen Verhältnissen. Und nur bei uns allein wird nicht eine abweichende Meinung über Gott wie häufig bei Andern gehört, wo nicht nur von dem gewöhnlichen Manne je nach seiner Lage anders über Gott gesprochen wird, sondern auch manche Philosophen sich Vieles crdreistcten: einige wollten mit ihren Epeculationen das Dasein Gottes, andere dessen Vorsehung über die Menschen wcglängnen; und auch nnr bei uns gewahrt man nicht eine Abweichung in der Lebensweise. Bei uns waltet in Allem Einigkeit: eine mit dem Gesetze übereinstimmende Meinung über Gott: daß er Alles überschaue; und hinsichtlich der Beschäftigungen, daß Alles Ein Ziel haben müsse: Gottesfurcht. Und so kann man es auch von unseren Frauen und Sclaven vernehmen. 20. 21. Hieraus entsprang nun der von Mauchen uns gemachte Vorwurf, daß wir keine Erfinder neuer Werke oder Lehren anfzuweisen haben. Andere halten cs für rühmlich nicht bei dem Augeerbten zn bleiben, und finden in Jenen die es zu übertreten wagen eine Fülle von Weisheit8). Wir im Gegentheile erkennen nur Eine Weisheit und Tugend: Nichts zn thun noch zu denken, das den 8! Die geistigen Bestrebungen der Griechen bewegten sich größtcntheils nur im Gebiete der Spekulation: c-Z wurden'philosophische Systeme ausgestellt und nach diesen Systemen entstanden Schulen, Scctcn u. s. w. Der Vorwurf daß die Juden nicht Erfinder seien ff. zielte eigentlich dahin, sie haben keinePhilosophcn anfzuwciscn. JoscphuS faßt diesen Vorwurf geistreich auf und weist ihn ebenso zurück.