Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Jüdisch-geschichtliche Studien
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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117 Wissenschaftliche Aussätze. Bethyra'S, richtiger der Bethyrener gefunden: es sind babylonische Kolonisten entweder ans der neuerbauten Stadt Bethyra, oder aus der Familie Bethyra, welche der neuen Stadt den. Namen gegeben. Aber wir haben an dieser Entdeckung mehr als einen Namen, wir haben hier eine neue Konsequenz der herodianischen Politik. Diese bestand darin: nachdem er die jüdische Nationalität gebrochen, vertheilte er mißiranisch gegen die Nationalen, die hohen Staatswürden an Ausl Lnder, die seine Kreaturen waren. Diese Staatswürden ^waren das Hohepriesterthum und das Synhedrialpräsidium. Das erste, bisher erblich im Hasmonaerhause, vergab Hcrodes an einen Babyloui er, Namens Hananel, der, wie Josephus berichtet, durchaus keine Würdigkeit sür das hohe Amt befaß. Das Synhedrialpräsidium war nicht minder wichtig. Man denke nur daran, wie gefährlich ihm im Synhedrin Sameas war, als er wegen des Mordes an Ezechias angeklagt war, ferner daran, daß ihm die Präsidenten Pollion nnd Sameas die Thore Jerusalems öffneten. Sollte er die Besetzung desselben seineu Feinden überlassen! das würde seiner raffinirten Klugheit keine Ehre gemacht haben. Waren die בני בתירא Bethyrener ans der babylonisch-jüdischen Kolonie Bethyra — dann, hatte Herodes an ihnen eine sehr gute Acquisition gemacht; sie waren dem Hohepriester Hananel, ihrem.» Laudsmanne, ebenbürtig, zwar unwissend, aber in die Absichten der herodianischen Politik gefügig. Fühlte sich das Volksbewußtsein über die Besetzung des Synhedrin mit Unwürdigen tief gekränkt, so war dieses nur eine Wunde mehr, welche dieses..Emporkömmlings kühne Hand dem Herzen des Volkes schlug. Dieses Synhedrin also führte den Namen ״die Alten Bethyra", oder die Söhne Bethyra, ganz einerlei, ob der Präsident oder mehrere Mitglieder desselben der bethyrenischen Kolonie entnommen waren. — Aber mochte auch des Hohepriesters Untauglichfeit verdeckt gewesen sein, die Unwissenheit nnd Unfähigkeit dieses bethyrenischen Senats mußte einmal an den Tag kommen. Dieser Moment trat bei der erwähnten Pesachsabbatfrage, die um so gewichtiger erschien,- als sich bei dieser Frage das ganze Volk betheiligte, das in der Regel zum Pesach in großen Massen nach Jerusalem zu wallfahrten pflegte. Herodes mußte dieses Synhedrin dem allgemeinen Volksnnwillen über seine Untanglichkeit opfern nnd mochte recht froh sein, daß die Aufmerksamkeit des Volkes sich ans einen Fremdling, auf den Babylonier Hillel, richtete, der ihm unschädlich oder vielleicht gar seinem Zwecke förderlich schient) Hillels Anstellung scheint eine Transaction gewesen 4) Ich freue mich dieselbe Gedankenreihe über das VerlMniß Hillels zu' Herodes, die ich seit Jahren mit mir herumtrng, von Hrn. Dr. Kämpf ent-